Die Weltgesundheitsorganisation WHO steht spätestens nach zögerlicher Reaktion zu Beginn der Corona-Pandemie massiv in der Kritik. Vorwürfe kommen nicht nur aus den USA.

Als die Corona-Pandemie erstmals im Dezember vergangenen Jahres in der chinesischen Millionenstadt Wuhan auftauchte, blieb die Reaktion im Rest der Welt zunächst verhalten. Vor allem die Weltgesundheitsorganisation WHO war es, die zu Beginn der Epidemie Chinas verharmlosender Krisenberichterstattung Glauben schenkte. Erst Ende Januar 2020 erklärte sie Corona zur "Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite". Viel zu spät, wie die weltweiten Auswirkungen bis heute zeigen.

Die 1948 gegründete Organisation wurde von zahlreichen Staaten daraufhin beschuldigt, die internationale Reaktion verzögert zu haben. Vor allem von US-Präsident Donald Trump kamen giftige Pfeile. Er hatte nicht nur die Einstellung der US-Zahlungen an die WHO veranlasst. Inzwischen droht er offen mit einem Austritt seines Landes aus der Organisation. Trump bezeichnete die in Genf in der Schweiz ansässige WHO zudem als "Marionette" Chinas.

Der Film von Anthony Dufour und Pierre Haski untersucht den Vorwurf, dass die internationale Organisation immer mehr einem Sprachrohr Pekings gleiche. Tatsächlich gibt es Auffälligkeiten – vor allem finanziell. So haben die USA nach Angaben der US-Vertretung in Genf im vergangenen Jahr rund 453 Millionen US-Dollar an die WHO gezahlt. Das ist nach US-Berechnungen zehnmal so viel wie China. Und für dieses sowie kommendes Jahr sind vonseiten der USA jeweils fast 116 Millionen US-Dollar an die WHO fällig. Chinas Beitrag hingegen liegt für diese beiden Jahre bei jeweils nur rund 57 Millionen US-Dollar.

In Schieflage

Ein Grund für diese finanzielle Schieflage in dreifacher Millionenhöhe sei unter anderem, dass Peking die WHO in den vergangenen rund 20 Jahren unterwandert hätte – so jedenfalls ein Vorwurf der WHO-Kritiker. Sie behaupten zudem, dass die zunehmende Einflussnahme Chinas die Organisation aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. Die Auswirkungen unter anderem einer intransparenten Finanzierung erscheinen fatal. So zeigt die Dokumentation auch auf, dass zuletzt zahlreiche Stimmen vor den Problemen bei der WHO gewarnt hatten.

Im Anschluss an die investigative Reportage über die WHO bleibt ARTE im Schatten der Pandemie. Der Film "Corona – Peking atmet auf" des französischen Regisseurs Sébastien Le Belzic schildert, wie in China angesichts der Virus-Gefahr der komplette Sicherheitsapparat der Regierung zu einem Instrument der gesundheitlichen und sozialen Kontrolle umfunktioniert wurde. Le Belzic wurde selbst zu einem Zeugen vor Ort. Er arbeitet seit mehr als zehn Jahren in Peking als Journalist. Nach der Aufhebung der zunächst verhängten Quarantäne stellt er die allmähliche Rückkehr zur Normalität fest. Diese aber hat einen Haken. Mit den Lockerungen der Beschränkungen ging auch das Wiederhochfahren der Zensur einher. Erneut ginge es in China nur darum, die Geschichte zugunsten der Partei umzuschreiben und bloß nicht zu viel Freiheit zuzulassen, so sein Resumée.

CHINA-USA: Spielball WHO – Di. 30.06. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH