Die Geschichte von "Drehbuch"
29.10.2026 • 00:50 - 01:50 Uhr
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Originaltitel
L'histoire de "Scénario"
Produktionsland
F, J
Produktionsdatum
2024
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Die Geschichte von "Drehbuch"

Zwei Jahre hatte Jean-Luc Godard bereits an einem letzten Langfilmprojekt gearbeitet, bevor er am 13. September 2022 assistierten Suizid beging. Das Werk sollte den Titel "Drehbuch" tragen. Mehrere Versionen seines Skizzenhefts "Cahier de montage", eine Art bebildertes Drehbuch, halfen ihm dabei, seine Ideen zu konkretisieren. Er zeichnete darin, stellte Collagen aus Zeitungsausschnitten zusammen und versah es mit schriftlichen Anmerkungen. Im Oktober 2021 hatte er bereits erste Pläne für "Drehbuch" öffentlich gemacht und aus diesen noch sehr vagen Vorstellungen entstand das Exposé für einen Filmtrailer. In den Tagen vor seinem Tod realisiert Jean-Luc Godard, dass er den Film wohl selbst nicht mehr beenden wird, und erteilt seinen beiden engen Mitarbeitern und Vertrauten, Fabrice Aragno und Jean-Paul Battaggia, die Anweisung, einen zweigeteilten Film fertigzustellen: "Drehbuch" wird aus "DNA" und "MRT" bestehen. "DNA" steht für den genetischen Code, der den Menschen in seiner Einzigartigkeit ausmacht. "MRT" dagegen - als Verweis auf das medizinische Bildgebungsverfahren und die Hilflosigkeit des von Alter und Krankheit geschwächten Körpers - suggeriert die Auflösung des Individuums im Spiel magnetischer Resonanzen. Zwischen diesen beiden Extremen, die auf streng materialistische Weise Entstehung und Niedergang beschwören, entfaltet sich die Geschichte eines Menschen. Eine Geschichte aus miteinander verwobenen Notizen und Bildern, die auf 18 Minuten verdichtet werden. Eine ebenso singuläre wie kollektive Geschichte - die Geschichte eines Lebens, das den nahenden Tod fürchtet. Der Film "Drehbuch" ist Abschied und Totenklage zugleich. Die beiden Teile "DNA" (Original: ADN) und "MRT" (Original: IRM) beginnen völlig identisch, dann weicht der zweite Teil ab. Er endet mit einem Selbstporträt von Jean-Luc Godard, der mit entblößtem Oberkörper auf seinem Bett sitzt und schonungslos den vom Alter gezeichneten Körper zeigt - in Anlehnung an Jean-Paul Sartres humorvollen Apolog "Finger und Nicht-Finger".

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