Wenn unsere österreichischen Nachbarn einen Film drehen, kommt meistens etwas Gutes raus. Glücklicherweise auch hier.

Der 24. Januar – ein guter Ausstrahlungstermin für diesen Film, einen Monat nach Heiligabend. Weil da vielleicht die Erinnerungen noch wach sind an die Dramen, die sich alljährlich in manchen Familien zum Fest abspielen. Aber vier Wochen danach hat man eben auch schon wieder die Distanz, um drüber zu lachen. "Die Notlüge", eine Koproduktion des ORF mit dem SWR, seziert mit gnadenloser Präzision, was passiert, wenn Menschen aufeinandertreffen, zwischen denen schon länger etwas nicht stimmt. Das ist bisweilen schmerzlich offen, vor allem aber auch sehr lustig. Nicht nur, aber auch, weil "Die Notlüge" eben ein österreichischer Film ist.

Man merkt dieser Komödie zwar an, dass sie auch auf den Mittwochabend im Piefke-Fernsehen hinproduziert wurde. Wäre das hier eine genuin österreichische Produktion, sie wäre wohl noch um einiges schärfer ausgefallen. Aber allein schon Josef Hader und Pia Hierzegger sind das Einschalten wert. Der Kabarettist und die Schauspielerin, die auch das Drehbuch zu "Die Notlüge" geschrieben hat, sind im wahren Leben ein Paar, dürfen auf der Leinwand aber immer wieder die tollsten, dysfunktionalsten Konstellationen nachstellen. Im Zweiteiler "Aufschneider" etwa, als Chef und Angestellte einer Wiener Pathologie, oder erst kürzlich in "Wilde Maus". Ein eben solch seltsames Liebespaar wie in Haders Regiedebüt geben die beiden auch hier ab.

Hierzegger spielt Patricia, die neue Freundin von Hubert (Hader). Zusammen mit Huberts schwangerer Noch-Ehefrau Helga (Brigitte Hobmeier), deren Lebensgefährten Wolfi (Andreas Kiendl) und einem ganzen Haufen Kinder fährt man zu Huberts Mutter Marianne (Christine Ostermayer). Die gutmütige Dame, die heute ihren 80. Geburtstag begeht, weiß noch nicht, dass Hubert eine Neue hat – und hält den Babybauch von Helga prompt für die Leistung ihres Sohnemannes. Um das Geburtstagskind, das gerade erst einen Schwächeanfall erlitten hat, nicht weiter aufzuregen, erzählt man ihr spontan die titelgebende Notlüge: Wolfi sei der Freund von Patricia, und bei Hubert und der schwangeren Helga sei alles wie bisher. Die 80-Jährige schluckt die Geschichte – vielleicht ja auch, weil sie schöner ist als die Wahrheit.

Hierzegger hat für ihr erstes Drehbuch, das Regie-Debütantin Marie Kreutzer souverän in Szene gesetzt hat, ein ganzes Ensemble an seltsamen Charakteren entworfen, die sich 90 unterhaltsame Minuten sanft bekriegen. Dass die Ausgangslage etwas arg konstruiert ist und das Ende versöhnlicher als nötig – egal. Dieser Film ist vor allem wegen seiner großartigen Darsteller ein Ereignis. Wenn Hader, Hierzegger und Co. versuchen, vor der (Schwieger-)Mutter ihr Lügenkonstrukt aufrechtzuerhalten, obwohl sie selbst nicht so recht wissen, warum sie das eigentlich tun sollten, dann ist das große Schauspielkunst.


Quelle: teleschau – der Mediendienst