Familie Anders - Willkommen im Nest
12.03.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Familienfilm
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Originaltitel
Familie Anders - Willkommen im Nest
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Fernsehfilm, Familienfilm

Paartherapie "light"

Von Eric Leimann

Psychotherapie-Serien liegt im Trend. Aber funktioniert das auch im ZDF-"Herzkino"? Die in Leipzig angesiedelte Geschichte eines Paartherapeuten und seiner Familie arbeitet mit einem netten Trick: In jedem Film der Reihe verkörpert ein echtes Schauspieler-Ehepaar die zu therapierenden Klienten.

Psychotherapie im TV – soweit das Auge reicht. Nach Dramaserien wie "In Treatment" (Sky) oder der französischen Variante "In Therapie" (ARTE) gab es zuletzt auch lustigere Ansätze wie die Harrison Ford-Serie "Shrinking" bei Apple TV+, das ARD-Mediatheken-Produkt "Kranitz" und natürlich Caroline Links grandiose Kindertherapieserie "Safe" (ZDF Mediathek). Im Zeitalter zunehmender Selbstreflexion macht das "Setting" Therapie nicht einmal vor dem ZDF-"Herzkino" halt. Dort wurden sonntags um 20.15 Uhr bei "Rosamunde Pilcher" und Co. bislang eher bestehende Klischees konserviert denn aufgebrochen. Ja, tatsächlich fragt man sich: Ist zerbrochene Liebe und das Reden darüber nicht Gift für ein Romantikformat mit dem Siegel "Herzkino"? Wenn man sich "Familie Anders – Willkommen im Nest", den ersten von zunächst zwei Filmen einer geplanten Reihe über den Paartherapeuten Fabian Anders (Moritz Treuenfels) anschaut, merkt man schnell, dass Schmerz und Freude hier über 90 Minuten oft eng beieinander liegen ...

Fabians Ehe mit Zweiradmechanikerin Paula (Bettina Burchard, die Polizistin aus "Sankt Maik") ist in derart schlechtem Zustand, dass sich das Paar mit zwei Kindern auf ihrem pittoresken grünen Hof vor den Toren Leipzigs räumlich getrennt hat. Paula, die gerade ihren 35. Geburtstag feiert, will mit ihrer Geschäftspartnerin Valerie (Julia Jendroßek) ein Start-up gründen. Die Kinder – vielleicht neun und 13 Jahre alt – brauchen ebenfalls noch viel Zuwendung. Außerdem hat Fabian enorm viel in seiner Praxis zu tun.

Da die leiblichen Großeltern der Kinder betont "freiheitsliebend" sind, haben Fabian und Paula die Idee, sich über eine "Leihoma" Hilfe ins Haus zu holen. Weil beide getrennt nach einer Kraft suchen, endet auch dieser Plan im kreativen Chaos: Sowohl die unkonventionelle Weltenbummlerin Moni (Ramona Kunze-Libnow) wie auch der türkische Witwer Ibrahim (Vedat Erincin) werden für einige Wochen auf Probe angestellt. Außerdem soll Fabian die Ehe von Journalistin Tess (Gisa Flake) und Lehrer Tom Scharper (Knud Riepen) reparieren. Tom setzt seine Frau unter Druck, weil er ein zweites Kind will. Gleichzeitig weiß Tess jedoch, dass ihr Mann eine Affäre hat.

Zu junge Eltern, zu alte Musik

Keine Angst, auch wer sich dialoglastige Dramaserien wie "In Treatment" lieber nicht antut, bei denen man fast schon Mäuschen während einer Therapie spielt, "Familie Anders" ist – nun ja – anders. Da wären zum einen die beiden sehr erfrischend aufspielenden Hauptdarsteller: Bettina Burchard versprühte bereits als Polizistin und Chorleiterin der RTL-Serie "Sankt Maik" unerhört positive "Vibes", und ihr bezaubernder Charme funktioniert auch hier. Die jüngere Schwester der Schauspielerin Marie Burchard ("Jagdsaison") ist als trennungswillige und doch schwankende Ehefrau & Mutter einfach eine Wucht. Auch der junge Theaterstar Moritz Treuenfels macht seine Sache als Paartherapeut in der Krise gut, wenn auch beide Darsteller eigentlich ein bisschen zu jung für ihre Rollen sind.

Glaubwürdig sind in dieser Dramedy vor klassischer "Herzkino"-Wohlfühlkulisse mit lichtdurchfluteten Bildern und gut aufgeräumten Schauplätzen jedoch jene Klienten, die sich von Fabian therapieren lassen. Hier sollen stets echte Ehepaare vor der Kamera agieren, was in Film eins mit den Schauspielern Gisa Flake und Knud Riepen umgesetzt wurde. Im zweiten Film "Familie Anders – Zwei sind einer zu viel" (Sonntag, 19. März, 20.15 Uhr, ZDF) stehen dann Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger als Krisenpaar vor der Kamera. Die Therapieszenen sind von den Autorinnen Stephanie Dörner und Marita Nienstedt (Regie: Sophie Averkamp) durchaus fachkundig und mit Anspruch inszeniert, aber sie nehmen mit rund 20 Prozent "Screentime" neben den Familien- und Beziehungsturbulenzen der Anders nicht zu viel Raum ein. Sicher mit der Idee, das Unterhaltungsformat nicht mit allzu viel Dialogschwere zu überfrachten.

"Familie Anders" versucht, eine etwas modernere und trotzdem dem positiven Grundansatz des "Herzkinos" entsprechende Geschichten zu erzählen – und dies mit Altbewährtem wie der viel zu sonnigen, aufgeräumten Bildsprache à la Pilcher zu kaschieren. Die neue ZDF-Dramedy funktioniert auf diese Weise durchaus, auch wenn der uninspirierte Soundtrack, der an einen dudeligen Oldie-Radiosender erinnert, eindeutig nervt. Dank vieler gut geschriebener Dialoge und eines tollen Casts kann man "Familie Anders" dennoch empfehlen.

Familie Anders – Willkommen im Nest – So. 12.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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