Mit "Familie Lotzmann auf den Barrikaden" übt sich die ARD unter Regie von Axel Ranisch in absurder Familien-Comedy. Das durchdachte Drehbuch macht die Vorhersehbarkeit wett.

Absurde Familienkomödien, das weiß man spätestens seit "Little Miss Sunshine", funktionieren hervorragend, sobald die Ingredenzien stimmen: Eine chaotische Truppe widersprüchlicher Eltern- und Kinder-Charaktere, unaufgearbeitete Generationenkonflikte zwischen Patriarchen und Rebellen sowie eine zugleich alberne wie rührige Rahmenhandlung. Auch hierzulande geht dieses in den USA perfektionierte Konzept mittlerweile gut auf. So gut, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen den aus dem Indie-Kino stammenden Stil inzwischen bedienen. Aktuellstes Beispiel dafür ist die ARD-Produktion "Familie Lotzmann auf den Barrikaden", die einen einzigen Tag im Leben der titelgebenden Sippe als Aufhänger für eine hübsch durchdachte Chaos-Komödie nutzt.

"Ihr könnt ja über die DDR sagen, was ihr wollt: Aber Schwimmhallen wurden damals nicht geschlossen", poltert Vater Lotzmann (Jörg Gudzuhn). "Dann mach doch wieder rüber in den Osten, wenn es dir bei uns nicht passt", wird ihm von den Schwestern seiner Frau entgegnet – auch wenn es den Osten längst nicht mehr gibt. Mutter Lotzmann (Gisela Schneeberger) feiert 70. Geburtstag, und die Stimmung ist eher so mittel. Nicht nur, weil ihr Gatte, mit dem sie seit 40 Jahren zusammenlebt, den Ehrentag im Trubel seiner Unterschriftenaktion gegen die Schließung des örtlichen Hallenbades völlig vergessen hat. Sondern vor allem, weil er den geliebten Wellensittich mit dem ebenso geliebten Staubsauger ums Eck gebracht hat. Vogel tot, Staubsauger kaputt – das darf nicht sein.

So zwingt die von Gisela Schneeberger herausragend verkörperte Annemarie Lotzmann ihren Mann dazu, den kaputten Staubsauger bis Punkt 18 Uhr repariert zurückzubringen. Dann soll es, so wie immer, ganz normales Geburtstagsabendbrot geben – wie bei einer ganz normale Familie eben. Das gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht: Mit dem Staubsauger helfen kann man Hubert Lotzmann auch in der Elektromarkt-Filiale gegenüber nicht, die gerade unter Polizeischutz eröffnet wird. Schließlich demonstriert dort die kapitalismuskritische Lotzmann-Tochter Bille (Eva Löbau) mit Parolen wie "Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln" gegen Konsum und Ausbeutung. Das Chaos nimmt seinen vorhersehbaren, aber amüsanten Lauf.

"Familie Lotzmann auf den Barrikaden" dreht direkt auf – und behält die irrwitzige Abfolge von absurden Dialogen und Slapstick auch in den folgenden anderthalb Stunden bei. Das liegt in erster Linie am gut durchdachten Drehbuch von Sönke Andresen, das gekonnt zwischen Familienwitz und Kritik an der Konsumwelt changiert. Der erste Fernsehfilm von Axel Ranisch spielt mit flachen Gags ("Disable Cookies – behinderte Kekse oder was?") und überzeichneten Charakteren wie der Lotzmann-Schwester Ingeborg, die von der wundervoll schrillen Operndiva Sigrid Schnegelsiepen-Sengül verkörpert wird. Im Vergleich zu ihren US-Pendants bleibt die Familienkomödie zwar recht harmlos – hebt sich vom kitschigen deutschen Komödieneinerlei aber dennoch ab.


Quelle: teleschau – der Mediendienst