Weil ein Deal mit einem Clanchef schief läuft, landet eine Ex-Polizistin in der neuen ARD-Krimireihe im niederbayerischen Passau. Im Zeugenschutz muss sie eigentlich ein neues Leben beginnen. So ganz kann sie mit ihrer Vergangenheit jedoch nicht abschließen.

Von Schwanitz an der Ostsee bis nach Bozen, von Amsterdam bis in die Bretagne: Mangelnde Vielfalt in Bezug auf die Handlungsorte ihrer Krimis kann man der ARD wahrlich nicht vorwerfen. Das breitgefächerte topografische Potpourri der Donnerstagskrimis im Ersten wird ab sofort durch eine malerische Stadt im Süden Bayerns erweitert: Passau. In der beschaulichen, wenngleich mit imposanten äußeren Schauwerten auftrumpfenden niederbayerischen Stadt, strandet die Ex-Polizistin Frederike Bader (Marie Leuenberger). Mit ihrer Tochter Mia (Nadja Sabersky) muss sie in "Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau" gezwungenermaßen einen Neustart in der Dreiflüssestadt wagen.

Ein missglückter Deal mit Clanchefs in Berlin und eine Aussage im darauffolgenden Prozess, der den Clanchef hinter Gitter brachte: Ihr altes Leben wäre für das Mutter-Tochter-Gespann einfach zu gefährlich gewesen. Stattdessen bekommen sie eine neue Identität, neue Jobs und ein neues Zuhause fernab vom geliebten Berlin. In Passau fühlen sich aber weder Frederike noch Mia wohl.

Auch die Anweisung an Frederike, sie möge sich im Zeugenschutz zurückhalten, ist bald Schnee von gestern. Als die Ex-Polizistin bei einer Auseinandersetzung in einem Supermarkt eingreift, zieht sie die Aufmerksamkeit des Privatermittlers Ferdinand Zankl (Michael Ostrowski) auf sich. Zunächst möchte sich der Österreicher nur bei seiner mutigen Helferin bedanken. Doch als die ihn relativ barsch abweist, ist der Spürsinn des Schnüfflers geweckt ...

Kein klassischer Krimi

Zwar gibt es in "Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau" auch einen Toten im Studentenmilieu, der Fall bleibt aber über weite Strecken nur Nebenkriegsschauplatz. Denn ein klassischer Krimi – auch wenn es der Titel vermuten lässt – ist der Auftakt (Regie: Maurice Hübner) der Passau-Reihe nicht. "Es ist ein Krimi der besonderen Art, weil es keine typischen zwei Kommissare gibt. Stattdessen gibt es neben der Frau im Zeugenschutz diesen dubiosen Privatdetektiv", beschreibt Hauptdarstellerin Marie Leuenberger (40) die Ausgangslage.

In der Tat sind es nicht Ermittlungsorgien und Vernehmungsmarathons in muffigen Polizeirevieren, die den 90-Minüter auszeichnen. Stattdessen steht zunächst die Tragik der Baders im Mittelpunkt, die ihr altes Leben komplett aufgeben müssen und deswegen immer wieder im Clinch miteinander liegen. Auch für die nötige Prise Spannung ist gesorgt, nachdem ein Clanangehöriger aus Berlin die Spur Baders wittert.

Die Stadt als Hauptdarsteller

Erfrischend ist zudem der Auftritt von Michael Ostrowski ("Leberkäsjunkie"), der als Privatdetektiv mit Helfersyndrom und Wiener Schmäh einen gelungenen Gegenpol zur kühlen und stets kontrollierten Frederike Bader gibt. Auch wenn die Dialoge der beiden ein wenig brav geblieben sind (Drehbuch: Michael Vershinin) und die Handlung ihre Spannung nicht dauerhaft hochhalten kann, ist "Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau" ein verheißungsvoller Auftakt.

Was äußere Schauwerte betrifft, muss sich Passau ohnehin nicht vor den anderen Schauplätzen der Donnerstagskrimis im Ersten verstecken. Die verwinkelte Altstadt, die drei Flüsse, die die Stadt umringen und die unzähligen pittoresken Fassaden der Innenstadt werden von Kameramann Michael Schreitel immer wieder gekonnt eingefangen und machen die Stadt zu einem weiteren Hauptdarsteller – oder wie es Marie Leuenberger ausdrückt: "Passau ist auf jeden Fall eine Reise wert."

Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau – Do. 01.10. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH