Der Klimawandel setzt auch den Gletschern zu. Sie schmelzen, Meter für Meter. Gleichzeitig geben sie so aber auch Relikte aus der Vergangenheit frei. Für Archäologen eine Fundgrube!

Seit mehr als 120 Jahren sammelt der World Glacier Monitoring Service (WGMS, Welt-Gletscher-Überwachungsdienst) Daten über die Veränderung der Gletscher weltweit. Zuletzt kam er zu einer sehr traurigen Erkenntnis: Die Geschwindigkeit der aktuellen globalen Gletscherschmelze sei ohne Beispiel in der Geschichte, hieß es. Betroffen sind unter anderem die Alpen. Der Filmemacher Frank Gensthaler hat sich für die Dokumentation "Geheimnis Gletscher", der nun bei ARTE erstmals zu sehen ist, über die Dauer eines Jahres sehr oft in dem Hochgebirge im Inneren Europa aufgehalten. Er hat Wissenschaftler bei Expeditionen begleitet. Diese forschten nicht etwa nach den Folgen, die eine Erderwärmung auslösen könnten. Und sie suchten nach Hinterlassenschaften, die eben die Veränderungen durch den angeblichen Klimawandel freigeben würden. Die Schmelze als Glücksfall, sozusagen.

Noch vor 30 Jahren ging die Wissenschaft davon aus, dass die Alpen für die Römer eine unüberwindbare Barriere aus Fels und Eis waren. Dass dies nicht stimmen konnte, bewies der Fund des "Ötzi" in den Ötztaler Alpen in Südtirol. Dieser läutete Anfang der 1990er-Jahre die Geburtsstunde der neuen Forschungsdisziplin der Gletscherarchäologie ein. Eine durchaus beschwerliche, manchmal auch gefährliche Sparte, wie die spektakulär bebilderte Doku zeigt. Doch der Aufwand lohnt sich: Immer wieder bargen die Wissenschaftler seitdem uralte Objekte aus dem Eis. Aufgrund des fehlenden Sauerstoffs und der eisigen Temperaturen sind sie in einem exzellenten Erhaltungszustand.

Der Historiker und Kantonsarchäologe Thomas Reitmaier sagt darüber: "Die Gletscherfunde zeigen uns wirklich sehr schön, dass der Mensch von Beginn an in höchste Höhen hinaufgezogen ist. Dass er großen Aufwand betrieben hat, dorthin zu kommen." Doch warum nur diesen beschwerlichen Weg bis weit oberhalb der Baumgrenze auf sich nehmen? Die Wissenschaftler wie Reitmaier erklären sich das so, dass die Menschen vor rund 10.000 Jahren auf der Suche nach Bergkristallen gewesen wären. Diese konnten sie dann als Werkzeuge, als Waffen und zur Jagd benutzen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst