Ermittlerin Judith Mohn (Christina Hecke) muss den Mord an der halbwüchsigen Tochter eines befreundeten Ehepaares aufklären. Auch der zweite Film der neuen ZDF-Krimireihe feiert seine Premiere im ARTE-Programm.

"In Wahrheit: Jette ist tot" ist der zweite Fall der neuen ZDF-Ermittlerin Judith Mohn (Christina Hecke), der seine Vorpremiere bei ARTE feiert. Die mit ihrem depressiven Mann Niklas (Jürger Maurer) in einem unklaren Liebesverhältnis befindliche Kommissarin aus Saarlouis trifft während einer Drogenrazzia auf Jette (Franziska Brandmeier), Tochter eines befreundeten Ehepaares. Jette vergnügte sich auf der Party, wird aber von Judith nach Hause geschickt. Am nächsten Morgen findet man ihre Leiche im Kofferraum eines belgischen Drogendealers. Judith macht sich auf, den Eltern Jettes (Sophie von Kessel, Hary Prinz) die Todesnachricht zu überbringen. Kurz danach wird Jettes kleine Schwester Sarah (Emilie Neumeister) von einem Auto angefahren. Wer will die Familie zerstören?

"In Wahrheit" heißt die Krimireihe nicht völlig wahllos, sondern weil die Fälle der Judith Mohn sich lose an tatsächlich ermittelten Kriminalfällen orientieren. Wie eng diese Orientierung ist, halten Sender und Kreative allerdings im Vagen.

In Sachen Plots und Erzählweise darf man die Reihe als eher konservatives Krimifernsehen bezeichnen. Die Fälle leben von der Nahbarkeit ihrer Heldin, deren traurige Liebe für den Ehemann nebst gelegentlichen Seitensprüngen eine Art Rahmenhandlung liefert. Immerhin: "Jette ist tot" erzählt seine Geschichte etwas fokussierter als der erzählerisch etwas zerfaserte Debütfilm "Mord am Engelsgraben". Im November 2017 interessierte er beim ZDF dennoch über sechs Millionen Zuschauer. Auch damals feierte der Saar-Krimi des ZDF sein Vorabdebüt bei ARTE, übrigens mit einem Rekordzuspruch von 2,5 Millionen Zuschauer. Einer der besten Zuschauerwerte, die für Spielfilmausstrahlungen beim Kultursender ARTE jemals gemessen wurden. Starke Werte!

Klassisch gedachte und inszenierte Krimis (Buch: Mathias Schnelting, der fürs ZDF bereits fünf "Helen Dorn"-Folgen schrieb) sind offenbar nach wie vor in beim Publikum, das angeblich nur noch horizontal erzählte, verstörende TV-Epen bei Netflix und Co. verfolgt. Nun, es darf angenommen werden, dass sich ein derzeit noch ausreichend vorhandenes, älteres Publikum auf gut konsumierbare Classic-Krimis der Marke "In Wahrheit" einigen kann.

Die dunkelkühlen, wolkenverhangenen Hügel und Wälder des Saarlandes setzte Regisseur Matthias Tiefenbacher stimmungsvoll und mit angemessen viel Handkamera in Szene. Auch mit der Standortwahl im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Luxemburg liegen die Produzenten nicht ganz falsch. Im Ballungsraum der Städte Saarlouis-Saarbrücken, Luxemburg, Metz und Straßburg – auch Belgien ist nicht weit – kann man sicher noch den ein oder anderen Fall mit internationalem Flair fabrizieren beziehungsweise der Wirklichkeit abschreiben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst