"Blue Note Records" gilt als wichtigstes Jazz-Label der Welt. Doch seine Geschichte begann ausgerechnet im Berlin der 30er-Jahre.

In seiner Hommage "It Must Schwing! Die Blue Note-Story" erzählt der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilmer Eric Friedler ("Aghet – Ein Völkermord") die Geschichte des wohl wichtigsten Jazz-Labels der Welt. Es wurde 1939 von den deutschen Auswanderern Alfred Löw, der sich später Lion nannte, und Frank "Francis" Wolff in New York gegründet. Schon in Berlin waren die beiden jüdischen jungen Männer dem Jazz verfallen. Als sie in den USA feststellten, dass ihre Lieblingsmusik kaum auf Platte zu haben war, produzierten sie ihre eigenen Schellacks. Bald nahmen sie spätere Größen wie Miles Davis, Herbie Hancock, John Coltrane und Thelonious Monk unter Vertrag.

Eric Friedler erzählt mit akribisch zusammengetragenem Archivmaterial, aufwendig animiertem Reenactment und neuen Gesprächen (darunter das letzte Interview der im August 2016 verstorbenen Toningenieur-Legende Rudy van Gelder) eine unmöglich erscheinende Geschichte: Zwei Weiße, die in Nazi-Deutschland verfolgt wurden, brachten nicht nur eine große Liebe für den Jazz mit nach New York, sondern auch ein Verständnis dafür, was es hieß, ein Außenseiter ohne Rechte zu sein.

Viele große Blue Note-Alben wurden noch während der Hochzeit der Rassentrennung aufgenommen. Gesprächspartner wie Herbie Hancock, Quincy Jones, Sonny Rollins, Ron Carter oder Sheila Jordan zeigen sich immer noch tief beeindruckt von den beiden "guten Deutschen", die so ganz anders waren, als alle übrigen "Geschäftsleute" im Music Business.

Lion und Wolff galten als Freunde der Musiker – und trotz des bis ans Lebensende harten deutschen Akzent bedeutete ihr etwas skurriler, ungelenker Tanz den Musikern im Aufnahmestudio: "It Schwings" – was viele klassische Blue Note-Alben bis heute immer noch beweisen. Der von Wim Wenders mitproduzierte Dokumentarfilm feierte am 6. September 2018 seine Kinopremiere und ist nun schon im TV sehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst