Er war der 35. und mit 43 Jahren der jüngste gewählte Präsident der Vereinigten Staaten. Am 22. November jährt sich John F. Kennedys gewaltsamer Tod zum 60. mal. Sein Leben und Tod wurden vielfach verfilmt. Doch wer war Kennedy wirklich?
Nicht nur die Schüsse von Dallas am 22. November 1963 haben sich tief ins Gedächtnis der Weltöffentlichkeit eingegraben. John F. Kennedy, den die Schüsse des Harvey Lee Oswald trafen, war nicht zuletzt durch die diplomatische Lösung der Kubakrise nach der atomaren Bedrohung der Sowjetunion zu einer Legende geworden.
Bei den Deutschen blieb sein Bekenntnis "Ich bin ein Berliner" nach dem Mauerbau von 1961 haften. Doch wer war dieser strahlende amerikanische Held, mit dem sich so viele demokratische Hoffnungen verknüpften, wirklich? Die History-Doku "Kennedy – Schicksalsjahre eines Präsidenten" von Tamara Erde (Looksfilm für NDR/SWR) will mit teils privaten Archivaufnahmen, Kennedys eigenen Interviews und zahlreichen Statements von Historikern und Journalisten darüber Aufschluss geben.
Kennedy, 1917 als zweitältester Sohn des Diplomaten und Unternehmers Joseph Patrick "Joe" Kennedy geboren, stammte aus einer einflussreichen Familie. Der Großvater war Bürgermeister von Boston und Abgeordneter des Repräsentantenhauses. Seine künftige Karriere wurde ihm vom Vater mit dem Satz "Nur Gewinner sind wahre Kennedys" in die Wiege gelegt. Der junge Kennedy, privat "Jack" genannt, wirkte bereits in den 50er-Jahren dynamisch und charismatisch. Doch hinter dem Bild, das die Familie entwarf und das die amerikanische Öffentlichkeit zumal mit der 1953 geehelichten Traumfrau Jacqueline sehen wollte, verbargen sich seit seiner Kindheit schwere gesundheitliche Probleme und zahlreiche außereheliche Affären, zum Teil mit Verbindungen zur Unterwelt.
Seit Kennedys Ermordung auf der Wahlkampfreise von Texas haben Affären wie die mit Marilyn Monroe am Image des Präsidenten genagt. Schon als Harvard-Student in den 30er-Jahren hatte er einem Freund geschrieben: "Ich werde jetzt hier Playboy genannt." Angeblich hatte ihm sein gutes Aussehen bei der Fernsehdebatte mit Nixon zum späteren Sieg verholfen.
Sein Satz bei der Amtseinführung am 20. Januar 1961 – "Ask not, what your country can do for you – ask, what you can do for your country" – wurde berühmt. Bereits im Wahlkampf setzte er sich für die Rechte der afroamerikanischen Bevölkerung und die Erhöhung der Mindestlöhne ein.
"Zahlreiche Gebrechen, eine Kindheit im Schatten seines Bruders, ein kontrollierender Vater, der im Hintergrund Fäden zieht. All das begleitet Kennedy durch die prägenden Jahre seines Lebens", kündigt die ARD den Porträtfilm an. "Ist Kennedy den Herausforderungen des Amtes gewachsen? Welche schicksalshaften Entscheidungen machen aus einem kränklichen Jungen die Legende JFK?" Viel Holz für eine 60-Minuten-Reportage. Auch wenn vieles längst bekannt ist: Der Stoff reichte für eine ganze Reihe.
ARD History: Kennedy – Schicksalsjahre eines Präsidenten – Mo. 13.11. – ARD: 20.15 Uhr