„Mit meiner Knie-Arthrose kann ich nicht mehr viel unternehmen, jede Bewegung tut weh“, berichtete mir ein 70-jähriger Patient in meiner Sprechstunde. „Verständlicherweise neigen Sie – wie viele Arthrose-Patienten – dazu, in den Schongang zu verfallen“, antwortete ich. „Doch genau dies ist der falsche Weg“, erklärte ich dem ansonsten rüstigen Rentner. Denn genügend Bewegung ist für unsere Gelenke sozusagen ein Lebenselixier. Nur so kann ausreichende Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt werden, die ihn ernährt und das Gelenk schmiert. Um den Gelenkknorpel aktiv zu erhalten, empfehle ich sanfte Bewegungsformen wie Fahrradfahren oder Schwimmen – im Gegensatz zu Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Tennis, Fußball oder Badminton. Es müssen längst nicht immer der Sportplatz oder das Fitness-Center sein. Auch praktische Übungen zu Hause können wesentlich dabei helfen, Arthrose vorzubeugen oder deren Verlauf gegebenenfalls zu verlangsamen. Diese sind aber keine Anleitung zur Selbsttherapie und können deshalb auch nicht die Konsultation eines orthopädischen Spezialisten ersetzen.
Meinem Patienten erklärte ich ein paar einfache, bewährte Übungen. „Legen Sie sich auf den Rücken und strecken ein Bein nach oben aus. Diese Übung verbessert die Beweglichkeit des Kniegelenks. Gleichzeitig dehnt sie die hintere Oberschenkelmuskulatur.“ Falls erforderlich, kann man mit einem Handtuch, einem Gürtel oder der Hand dem Bein dabei helfen, in die gestreckte Position zu gelangen, dann für rund eine Minute halten und die Übung zehnmal mal mit jedem Bein wiederholen. Eine Streckübung ist besonders hilfreich nach Operationen, akuten Knieverletzungen oder Entzündungen. Sie erhält den vollständigen Bewegungsradius des Kniegelenks und beugt Fehlhaltungen und Bewegungseinschränkungen vor. Dabei müssen Sie sich auf einen Stuhl setzen. Legen Sie eines Ihrer Beine auf einer gleich hohen Oberfläche ab, etwa einem Hocker. Nun drücken Sie es bitte bei aufgelegter Ferse waagerecht durch“, erklärte ich. Bei akuten Schmerzen oder Steifheit des Kniegelenks kann man durch sanften Druck mit den Händen nachhelfen. Für mehr Beweglichkeit des Kniegelenks dient die Dehnung des Oberschenkelmuskels. „Stellen Sie sich aufrecht hin. Nun winkeln Sie ein Bein an und ziehen dessen Ferse langsam hinter dem Körper nach oben. Das dehnt den Oberschenkelmuskel, verbessert die Beweglichkeit und die Koordination des Kniegelenks. Knieschmerzen durch Muskelverhärtungen bauen sich ab. Die Dehnung rund eine Minute halten“, beschrieb ich ihm. Sind Sie nicht so beweglich, so können Sie die Dehnung des Quadrizeps auch mit einem Handtuch unterstützen. Wenn Sie sich bei der Übung nicht festhalten, trainieren Sie gleichzeitig Haltemuskulatur und Gleichgewicht.
Patienten können mit diesen und weiteren kleinen praktischen Übungen zu Hause ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.