E-Bikes für Gelenkschonung

E-Bike oder klassisches Fahrrad - was ist gesünder für die Knochen?

04.05.2026, 02.00 Uhr
von Sven Ostermeier
E-Bikes ermöglichen gelenkschonende Bewegung, besonders für Menschen mit Knie-Arthrose. Richtige Nutzung kann Unfallgefahr mindern. Tipps für sicheres Fahren.
Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie und spezielle orthopädische Chirurgie. Der Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA). Fotoquelle: Gelenk-Klinik Gundelfingen

„Ich mache gern längere Radausflüge und überlege, mir ein E-Bike zu kaufen. Ist das genauso gesund für meine Knochen wie normales Fahrradfahren?“, fragte mich kürzlich ein 66-jähriger Patient. „Schalten Sie möglichst wenig Motorkraft hinzu und halten Sie kontinuierlich eine Geschwindigkeit“, empfahl ich meinem Patienten. Anders sieht es bei Patienten mit Knie-Arthrose aus: In diesem Fall sollten grundsätzlich leichtere Gänge beziehungsweise eine stärkere Motorkraft gewählt werden, damit die Belastung aufs Kniegelenk niedrig bleibt. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, der sich dank eines E-Bikes selbst bei Steigungen problemlos nachkommen lässt. Absolut tabu ist Radfahren grundsätzlich bei akuten Kniebeschwerden. Diese entstehen nicht selten durch ungeeignete Zweiräder – oft zu klein oder zu groß – oder eine falsche Körperhaltung beim Strampeln. Ich rate deshalb dazu, im Fachgeschäft Sitzhöhe, Kniewinkel und Fußposition überprüfen zu lassen. 

Grundsätzlich eröffnet die gelenkschonende Tretunterstützung einen Vorteil gerade für Menschen mit Arthrose. Viele neigen dazu, das schmerzende Gelenk zu schonen, und schaden diesem dadurch letztendlich. Dank E-Bike können Betroffene die Intensität der Belastung selbst steuern und gewinnen so oft neuen Spaß an der Bewegung. Diese ist wie ein Lebenselixier für die Gelenke: Beim zyklischen Treten auf dem Rad gibt der Knorpel Abfallstoffe ab und nimmt Nährstoffe auf. Das Gelenk wird geschmiert, was eventuell sogar das Fortschreiten einer Knie-Arthrose bremsen kann.

Das schnelle Dahingleiten mit dem E-Bike erhöht den Fahrspaß, birgt aber auch Gefahren: Die hohe Geschwindigkeit straft manche kleine Unachtsamkeit innerhalb von Sekunden, was sich in der Unfallstatistik deutlich auswirkt. Nicht selten überschätzen Fahrer ihre Reaktionsfähigkeit, was vor allem ältere vielfach drastisch zu spüren bekommen. Auch damit hinterher nicht verspannte Schultern, Rückenschmerzen oder andere Beschwerden das Ergebnis trüben, empfiehlt sich grundsätzlich maßvolles Strampeln – insbesondere in der zweiten Lebenshälfte. Fahrtrainings können den vielfach schweren Stürzen und Verletzungen präventiv entgegenwirken. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der fährt zudem nur mit Helm. Dabei bitte auf die richtige Passform achten. Empfehlenswert sind darüber hinaus kontinuierliche Dehnübungen zuvor, wie etwa diese: Zunächst langsam vor- und zurückbeugen. Dann beide Handgelenke umfassen, auf Brusthöhe heben und möglichst weit von rechts nach links bewegen, am besten zehnmal. Das entkrampft die Rückenmuskulatur und macht sie geschmeidig.