Barack Obama, der Donald Trump als "Vollidioten" bezeichnet, oder Hollywoodstars als Pornodarstellerinnen - Deepfakes machen es möglich. Dürfen wir unseren Augen noch trauen? Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich Videos heute nahezu perfekt manipulieren, sodass Menschen scheinbar Dinge sagen oder tun, die sie nie gesagt oder getan haben. Manipulationen erreichen eine neue Dimension. Wie ausgeliefert sind wir der Gefahr? Bisher war die realistische Animation von Menschen Spezialisten vorbehalten. In Hollywood wird bis heute ein enormer technischer Aufwand betrieben, um zum Beispiel verstorbene Schauspieler für einen Blockbuster wieder zum Leben zu erwecken. Eine besondere Herausforderung ist dabei, das Gesicht möglichst echt wirken zu lassen. Seit wenigen Jahren gibt es jedoch eine neue Technik für diese Aufgabe: Deepfakes. Dabei lernt ein Programm dank künstlicher Intelligenz, wie eine Person aussieht und welche Mimik sie hat. Per Mausklick lässt sich anschließend das Gesicht auf zum Beispiel einen Schauspieler oder einen Politiker - im Prinzip auf jede beliebige Person - übertragen. Inzwischen sind Deepfake-Programme als Freeware für jedermann zum Download verfügbar. Und das birgt eine Gefahr: Was, wenn Politikern falsche Aussagen in den Mund gelegt werden? Bisher zeigen zum Glück nur Künstler und Aktivisten auf eher harmlose Weise, was möglich ist - doch die Manipulationsmöglichkeiten sind beängstigend. Am meisten Schaden haben Deepfakes bisher in einem Genre angerichtet, das man nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert: im Porno-Milieu. Es ist ein neuer Hype, Gesichter von prominenten Frauen digital auf die Darstellerinnen zu projizieren - mit schauerlich realistischen Resultaten. Schätzungsweise sind mehr als 95 Prozent der heute im Internet kursierenden Deepfakes pornografischen Inhalts. Doch das Potenzial der Technik reicht viel weiter. Während die Deepfakes in rasanter Geschwindigkeit immer besser und lebensechter werden, läuft parallel ein Wettlauf, die Fälschungen wiederum mit künstlicher Intelligenz zu enttarnen. Doch es bleiben viele Fragen offen. Kann wirklich jeder solche Deepfakes erstellen? Woran lassen sie sich erkennen? Wie können wir uns für eine Zukunft wappnen, in der wir unseren Augen nicht mehr trauen können? Und: Was lehrt uns diese neue Technologie über unsere Wahrnehmung? Harald Lesch geht auf die Suche nach Antworten.
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