Lino Ventura war als Schauspieler ein Naturtalent. Seine Mimik war sparsam, er wirkte kantig, aber auch melancholisch. Ob knallharte Polizisten oder schwere Jungs, er vermittelte immer den Eindruck, dass hinter seinen Figuren ein Mann mit Prinzipien und ausgeprägtem Moralbegriff steht. Solide und wortkarg, hart und sentimental. Doch warum lehnte er so viele große Rollen ab? Und weshalb schien er sich als Schauspieler manchmal selbst im Weg zu stehen? Der am 14. Juli 1919 als Angiolino Ventura geborene Italiener kam als Kind nach Paris. Als italienisches Einwandererkind wurde Ventura in Frankreich geschmäht und gedemütigt. Nach einer sehr kurzen Schulzeit schlug er sich als Gelegenheitsarbeiter durch, später wurde er Profiringer. Kurz nach dem Gewinn des Europameistertitels im Jahr 1950 zwang ihn eine Verletzung dazu, seine Karriere aufzugeben. 1953 wurde er als Schauspieler entdeckt. Er spielte in dem Gangsterfilm "Wenn es Nacht wird in Paris" (1954) an der Seite von Jean Gabin und Jeanne Moreau. Der Film "Der Mörder kam um Mitternacht" machte Lino Ventura im Jahr 1959 endgültig zum Charakterdarsteller. Es folgten Filme wie "Fahrstuhl zum Schafott" (1958) und "Der Panther wird gehetzt" (1960), "Die Abenteurer" (1967), "Der zweite Atem" (1966) oder "Armee im Schatten" (1969). 1969 wurde auch "Der Clan der Sizilianer" produziert - hier spielte Lino Ventura an der Seite von Alain Delon und Jean Gabin. Später brillierte er in "Der Kommissar und sein Lockvogel" (1970), "Die Filzlaus" (1973) und "Das Verhör" (1981). Blickt man auf Lino Venturas Kindheit, erscheint der Mann unter der rauen Schale in einem ganz anderen Licht. Lino Ventura überzeugte vor der Kamera durch seine starke Präsenz und Männlichkeit. Im Kreis der Kollegen und Filmemacher aber war er bekannt als sensibler, schweigsamer Mensch, für seine Achtsamkeit und das übertrieben genaue Studieren der Drehbücher, für seine Ängstlichkeit am Set und seine Scheu vor romantischen Szenen. Die Dokumentation bringt eine sehr intime Seite des Schauspielers zutage. Ob als Agent, Killer oder Kommissar - immer sind in den Figuren auch die Verletzungen seiner Kindheit spürbar. Privat führte Ventura ein solides, bürgerliches Leben und eine skandalfreie Ehe mit Odette Lecomte, die er als 17-Jähriger kennenlernte und mit der er vier Kinder hatte. Am 22. Oktober 1987 starb Lino Ventura mit 68 Jahren in seinem Haus im Pariser Vorort Saint-Cloud an Herzversagen.
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