Mutzenbacher
10.03.2026 • 00:20 - 02:05 Uhr
Kultur, Kunst + Kultur
Lesermeinung
Ruth Beckermann lädt zu einem Casting für einen Film ein, der einen bekannten pornografischen Text zur Grundlage hat. Bis heute sorgt dieser für kontroverse, leidenschaftliche Diskussionen rund um die Lust.
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Der Film „Mutzenbacher“ konfrontiert hundert Männer mit Auszügen aus dem 1906 anonym erschienenen Roman „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne“.
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Originaltitel
Mutzenbacher
Produktionsland
A
Produktionsdatum
2022
Altersfreigabe
16+
Kultur, Kunst + Kultur

Mutzenbacher

Seit mehr als hundert Jahren wird der Roman "Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne" wegen seiner lustvollen Darstellung kindlicher und weiblicher Sexualität kontrovers besprochen. Pornografische Literatur von Weltrang für die einen, missbräuchliche Darstellung kindlicher Sexualität für andere. Anonym 1906 publiziert und über viele Jahrzehnte dem österreichischen Schriftsteller Felix Salten ("Bambi") zugeschrieben, wurde der Roman zeitweise verboten und gleichzeitig als bedeutende wienerische Literatur gefeiert. Mit einem Zeitungsaufruf lädt Ruth Beckermann zu einem Casting für einen Film ein, der den bekannten pornografischen Roman zur Grundlage hat: "Männer zwischen 16 und 99 Jahren gesucht." Der Film "Mutzenbacher" konfrontiert in einer ehemaligen Sargfabrik in Wien hundert Leser mit Auszügen aus dem Werk. Keine Ausstattung, keine Maske, lediglich eine Couch. Gefragt ist die Bereitschaft, sich zu einem Text, seiner Sprache und seinem Thema offen in Bezug zu setzen. Improvisation pur. In dem intelligent arrangierten Setting, das Analyse und Affekt, Reflexion und Intimität gleichermaßen ermöglicht, überschreiten die Männer die Grenzen des Streitraums Literatur und eröffnen uns und sich selbst Einblicke in den Kosmos von Erotik und Sexualität diesseits und jenseits der Männerfantasie. Ein Film wie ein Experiment zwischen Imagination und Identität, der das Tabu weder leugnet noch beschwört und deshalb viel erzählt von "#Me" und nicht zuletzt auch von #MeToo.

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