Mysterium Narkose
25.10.2018 • 20:15 - 21:00 Uhr
Gesundheit, Dokumentation
Lesermeinung
Das intravenöse Hypnotikum Propofol wird fast immer zur Einleitung einer Narkose verwendet.
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Mehr als 45 Prozent der Deutschen haben Angst vor einer Operation mit Vollnarkose.
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Warum haben völlig unterschiedliche Narkosemittel genau denselben Effekt - Bewusstlosigkeit? Und was passiert dabei im Gehirn? Dieses Rätsel wird nur langsam gelöst.
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Die Narkose-Puppe "HANS" kann sprechen, atmen, ihre Pupillen verändern sich, sie verbraucht Sauerstoff und beim Anschließen an Geräte zur Vitalfunktionsüberwachung verhält sie sich wie ein echter Patient.
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Die Ärztin Claudia Spies (r.) weiß: Wenn man Patienten früh orientiert und fordert - zum Beispiel durch iPad-Spiele - tritt Delir seltener auf und geht schneller wieder vorbei
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Schätzungen zufolge wird Propofol nur in rund 20 Prozent der Operationen zur Aufrechterhaltung der Narkose verwendet.
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Auch Sascha Kreuer vom "Center of Breath Research" am Universitätsklinikum des Saarlandes hat ein Gerät entwickelt, das die Narkoseüberwachung verbessern soll.
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Anästhesisten wie Judith Schiefer bewältigen einen Balanceakt: Ist die Narkose zu tief, steigt das Risiko für Schäden. Dosieren sie die Narkosemittel zu niedrig, wacht der Patient auf.
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Anästhesisten haben eine große Verantwortung im OP-Saal. Ihr Handeln kann über Leben und Tod entscheiden. Damit sie dafür gerüstet sind, üben die angehenden Anästhesisten an der Uniklinik Heidelberg im "Narkose-Simulator".
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Während man früher die Patienten auf Intensivstationen häufig wochenlang sediert oder ins künstliche Koma gelegt hat, gilt nun die gegenteilige Strategie: Die Patienten sollen so früh wie möglich wieder bei Bewusstsein sein.
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Studien legen einen Zusammenhang zwischen Narkosetiefe und Delir nahe. Deshalb werden Vollnarkosen in der Charité so flach wie möglich gehalten. Zum Beispiel, indem man sie mit Regionalanästhesie kombiniert - wie hier vor einer Prostata-OP.
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Schätzungen zufolge erleben jedes Jahr rund 10.000 Menschen in Deutschland bei einer Vollnarkose eine so genannte "Awareness", also Wachheit während der Operation. Das entspricht einer Quote von 0,1 Prozent von allen OPs mit Vollnarkosen. Die Zahl ist jedoch umstritten. Wissenschaftler der TU München sind Teil einer weltweiten Studie, die verlässliche Zahlen produzieren soll. Sie sorgen dafür, dass die Patienten während der Operation eine Hand bewegen können und lesen dann während der Vollnarkose Fragen vor. Falls der Patient bei Bewusstsein ist, kann er mit einem Händedruck antworten. Parallel zeichnet ein EEG die Hirnströme auf. Hinterher vergleichen die Forscher die Gehirnströme von Patienten, die bei Bewusstsein waren, mit denen, die es nicht waren.
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Ein weiteres Mittel, um die Narkosemittel nicht zu stark zu dosieren: Die Überwachung der Narkosetiefe mittels moderner EEG-Monitoring-Systeme.
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Um Delir besser therapieren zu können, hat man auf dem Virchow-Campus der Charité zwei Zimmer der Intensivstation umgestaltet. Mit verschiedenen Maßnahmen wurde der Lärm reduziert, Lichtinstallationen an der Decke simulieren für die Orientierung der Patienten den Tag-Nacht-Rhythmus.
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Eine Nebenwirkung nach Vollnarkosen ist das "Delir": Ein Verwirrungszustand mit alptraumhaften
Halluzinationen. Vor allem ältere Menschen sind gefährdet. Der Finanzberater Jörg Naumann litt vor einigen Jahren an Delir - nach einer Langzeit-Vollnarkose, auch als "künstliches Koma" bekannt. Er litt unter Halluzinationen und konnte nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden
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Produktionsdatum
2018
Gesundheit, Dokumentation

Gefährliche Besinnungslosigkeit

Von Andreas Schöttl

Wie selbstverständlich lassen sich viele Patienten bei Operationen unter Vollnarkose setzen. Doch die medizinische Besinnungslosigkeit birgt ihre Gefahren.

Rund zehn Millionen Operationen werden in deutschen Krankenhäusern jährlich unter Vollnarkose durchgeführt. Müssen Patienten unters Messer, lassen sich die meisten wie selbstverständlich ins Reich der Besinnungslosigkeit transportieren. Doch was viele nicht wissen: Das Geheimnis der Narkose ist noch immer nicht vollständig erforscht. So ist beispielsweise nicht klar, wie einzelne Anästhetika auf Zell-Ebene wirken. Und genau diese Grauzone birgt Gefahren. Wie Franca Leyendecker in ihrem Film aufklärt, sind Operationen unter Vollnarkose gerade für die über 60-Jährigen keine Harmlosigkeit. Zwischen 30 und 40 Prozent der älteren Patienten leiden nach einem operativen Eingriff unter einem "postoperativen kognitiven Defizit". Beunruhigend zudem: Die Ursachen für die Desorientierung und Halluzinationen sind nicht eindeutig geklärt.

Im Anschluss an die Wissenschaftsdokumentation am Donnerstagabend bei 3sat diskutiert Gert Scobel ab 21 Uhr ein vergleichbares Thema. Seine Sendung steht diesmal unter dem Titel "Die Kunst der Entscheidung". Hirnforscher erklären unter anderem, wie sie in das bislang kaum entdeckte Gebiet der Gemütserregungen und emotionalen Reizen vordringen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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