NZZ Standpunkte
31.05.2026 • 13:00 - 14:00 Uhr
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Originaltitel
NZZ Standpunkte
Produktionsland
CH
Produktionsdatum
2026
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NZZ Standpunkte

Deutschland scheint seit einigen Jahren von einer Krise in die nächste zu stolpern. Neue Herausforderungen treten auf, bevor die alten gemeistert sind. So hat die Corona-Pandemie ein weitverbreitetes Gefühl der Verunsicherung hinterlassen. Ähnliches gilt für den Ukraine-Krieg. Er hat die liebgewonnene europäische Sicherheitsordnung nachhaltig erschüttert. Hinzu kommen die Schwäche der politischen Mitte und die Stagnation der Wirtschaft. Inzwischen ist von einer breitangelegten Deindustrialisierung die Rede. Nach dem Scheitern der Ampelkoalition wurde vor einem Jahr Friedrich Merz Kanzler der Bundesrepublik. Der CDU-Mann versprach im Wahlkampf einen Richtungswechsel, überzeugte viele Wähler mit klaren Ansagen und sprach von einem Herbst der Reformen und einer Rückkehr zu mehr staatlicher Sparsamkeit. Ein Jahr später scheint davon wenig übrig zu sein. Die Reformpläne sind zu einem guten Teil steckengeblieben, und das Sondervermögen für die Bundeswehr belastet den Haushalt zusätzlich. Kurz gesagt, scheint die Stimmung im Land auf einem Tiefpunkt. Viele hadern mit dem Gegensatz von Merz' kantigen Worten und dem wahrgenommenen Stillstand. Warum kommt Deutschland nicht in die Gänge? Liegt es am Kanzler, an seiner Partei, der Koalition mit der SPD oder vielmehr an den tiefliegenden Strukturproblemen des Landes? Sicher ist, die Herausforderungen sind immens - und die Zeiten unruhig. Auf Deutschland wie die Welt kommt eine Welle neuer Chancen und Risiken zu, etwa die Entwicklung bei künstlicher Intelligenz, die Überalterung, der Klimawandel. Zugleich schmälern hausgemachte Probleme den Spielraum. Und nun muss sich zeigen, ob Friedrich Merz seiner Aufgabe gewachsen ist, Deutschland in die Erfolgsspur zurückzuführen. Mariam Lau ist Berlin-Korrespondentin der Zeitung "Die Zeit", langjährige Kennerin der Unionspartei und Merz-Biografin.

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