Aus heiterem Himmel steht Oma Gisela bei ihrem Sohn und dessen Familie vor der Tür. Notgedrungen gewähren sie ihr ein Dach über dem Kopf. Doch wie können sie die alte Frau wieder loswerden?

Die finanzielle Lage von Matthias (Florian Panzner) und seiner Familie sieht gerade eher durchwachsen aus. Jeder Cent muss umgedreht werden. Dann steht auch noch völlig unerwartet Oma Gisela (Ruth Reinecke) vor der Tür. Im Rollstuhl. Jemand müsse sich um sie kümmern, verkündet die alte Dame. Unfreiwillig bietet Matthias seiner Mutter vorerst Asyl – lange kann das aber nicht so bleiben! Weil die mürrische Frau mittlerweile jedweden Lebensmut verloren hat, tüfteln ihr Sohnemann und Enkel Tom (Konstantin und Leopold Schmidt) einen gewieften Plan aus: "Oma braucht einen Verehrer! Also nicht einen echten, aber sie muss auf andere Gedanken kommen." Gesagt, getan. Doch die Idee ist genauso dämlich, wie sie klingt. Fortan empfängt Gisela gefälschte Liebesbriefe und beginnt tatsächlich wieder aufzublühen. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Vater und Sohn im ARD-Film "Oma ist verknallt" mächtig in die Bredouille geraten ...

Ein Riesenfan von "Frühstück bei Tiffany" ist sie, die Oma Gisela. Auf die ein oder andere Art und Weise wird immer wieder auf den Komödienklassiker mit Audrey Hepburn verwiesen. Dass Markus Herlings TV-Film mit dem Hollywoodstreifen nicht mithalten kann, dürfte niemanden ernsthaft verwundern. Tatsächlich gelingen dem Regisseur und seinem Autor Robert Krause aber auch ein paar sehenswerte Momente und unterhaltsame Dialogszenen. Die halten sich aber in Grenzen.

Spannung baut sich kaum auf: Sämtliche Konflikte werden genauso schnell wieder gelöst, wie sie etabliert worden sind, oder erscheinen an den Haaren herbeigezogen – wirklich dramatische Ereignisse sucht man vergebens. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass die ARD hier versucht hat, ein paar gezielte Tabubrüche zu wagen: Ein Flirt auf dem Friedhof zwischen Witwe Gisela und Witwer Theodor (Ernst Stötzner), der Sohn, der seiner Mutter – wenngleich rein fiktive – Liebesbriefe schickt und damit ödipale Zusammenhänge suggeriert.

Sexualität ist ohnehin das große Thema des Films. So darf Tochter Bille bereits mit 14 Jahren die erste Pille kaufen, und Gisela klärt Mama Nina (Hilde Dalik, "Vorstadtweiber") über ihren anrüchigen Nebenverdienst aus früheren Jahren auf. Man mag sich vorstellen, wie die Verantwortlichen der ARD ein schelmisches "Hihihi!" hinter vorgehaltener Hand in sich hinein schmunzelten, als die Kreativen ihnen die Filmideen unterbreiteten. De facto machen all die erwähnten Elemente die Handlung aber keinen Deut interessanter.

Einzig und allein das ständige Verwirrspiel hält die Figuren auf Trab und das Publikum bei Laune – auch wenn die ganze Prämisse ziemlich hanebüchen anmutet. "Das war aber nicht sehr weitsichtig gedacht!", werden Matthias und Tom gerügt. Dasselbe könnte man den Machern vorwerfen. Wer sich mit unspektakulärer TV-Unterhaltung begnügt, liegt hier dennoch goldrichtig. Denn selbstverständlich haben sich gen Ende alle wieder lieb.


Quelle: teleschau – der Mediendienst