Portrait von Ingeborg - Ähnlichkeiten mit Ingeborg Bachmann
21.06.2026 • 23:20 - 00:05 Uhr
Kultur, Literatur
Lesermeinung
Vergrößern
Originaltitel
Portrait von Ingeborg - Ähnlichkeiten mit Ingeborg Bachmann
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2014
Kultur, Literatur

Portrait von Ingeborg - Ähnlichkeiten mit Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann fürchtete sich vor Herrn Moll. Die Figur aus ihrer Erzählung "Das dreißigste Jahr" steht für alle Bescheidwisser, für alle, die sich vermeintlich in der Welt auskennen, die immer wissen "wie der Hase läuft", die andere Menschen einordnen und ihnen ein Etikett umhängen. Die Erzählung aus dem Jahre 1961 war nicht die erste, in der Ingeborg Bachmann das Unrecht thematisierte, das wir denjenigen antun, die wir vorschnell zu kennen glauben. Damals wusste Ingeborg Bachmann noch nicht, wie sehr sie selbst einmal in den Widerstreit von Stilisierungen, Idealisierungen, Gerüchten, Urteilen und Vorurteilen geraten würde: Sie war für Marcel Reich-Ranicki die "vielleicht bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin unseres Jahrhunderts", aber er nannte sie auch eine "gefallene Lyrikerin", als sie es wagte, seinen Vorstellungen nicht zu entsprechen und Prosa zu schreiben. Manche meinten, sie habe Hilflosigkeit bewusst eingesetzt, um männliche Beschützerinstinkte zu wecken. Anderen gilt sie als "Ikone des Feminismus" , wieder anderen als heulende Sirene der absoluten Liebe. Eine, die mit bedeutenden Schriftstellern, Paul Celan und Max Frisch, zusammen war, aber in der Liebe dennoch gescheitert ist. Schließlich, ihres nie vollständig aufgeklärten Todes wegen, blieb noch der "Mythos Bachmann". Heinrich Böll sagte in seinem Nachruf über sie, man habe die Dichterin selbst "zur Literatur gemacht". Die Zeit ist weitergegangen, vieles verstehen wir heute anders. Viel Neues über Ingeborg Bachmann ist bekannt geworden, etwa ihre Korrespondenz mit Paul Celan und Hans-Werner Henze, zahlreiche Funde, sowie verschiedene Biographien und wissenschaftliche Arbeiten. Es ist Zeit, sich erneut mit der Schriftstellerin befassen und zu fragen, wie wir heute auf Ingeborg Bachmann schauen, ob wir sie inzwischen deutlicher sehen können. Wie nah sie uns ist. Ohne ihr gleich wieder ein Etikett überstülpen zu wollen. Der Film zeichnet die wechselvolle und von vielen Fehlurteilen und männlichen Ressentiments geprägte Rezeptionsgeschichte nach. Freunde und Weggefährten erzählen von Begegnungen mit einer Frau, die eine vielsprachige, europäische Intellektuelle war, dabei mitunter schüchtern und verletzlich, die Sonne und Wasserski fahren liebte, die aber, wie die Bachmann Biografin Andrea Stoll erläutert, kompromisslos liebte und lebte und die den Preis für diese sehr freie und schwierige Existenz mit einer Alkohol- und Medikamentensucht bezahlte. Erstmals äußert sich auch der Bruder Heinz Bachmann vor der Kamera zu seiner Schwester, führt durch das Haus ihrer Kindheit in Klagenfurt, wo sich noch heute Ingeborg Bachmanns Habe aus ihrer Wohnung in Rom befindet und erstmals spricht er auch öffentlich über den tragischen Unfalltod seiner Schwester. An den drei wichtigen Lebensstationen Klagenfurt, Wien und Rom unternimmt der Film den Versuch, Ingeborg Bachmann nahezukommen, befragt Menschen, Orte und ihr Werk nach der Frau, die immer bereit war, auf das Verleugnete, Kranke, Gewalttätige in unserer Existenz hinzuweisen und versucht zu verstehen, warum das Schreiben für sie Berufung und unverzichtbarer Lebensinhalt war. Und warum es uns gerade heute etwas angeht. Ihre Auseinandersetzung mit der " Krankheit unserer Zeit" bleibt aktuell, ihr Anspruch an Sprache, Kunst, uns alle, ist radikal und experimentiert mit nichts weniger als dem Paradox und der Utopie.

Das beste aus dem magazin

Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Gesundheit

E-Bike oder Fahrrad? Was Rücken, Knie und Gelenke wirklich brauchen

Wer Knie oder Rücken schonen will, muss beim Radeln genau hinsehen. Ein E-Bike kann helfen, birgt aber auch eigene Risiken.
Rachel Bolan sitzt in einem dunklen Outfit auf einem Thron.
HALLO!

Rachel Bolan: "Oft ist man selbst sein schlimmster Feind"

Rachel Bolan, bekannt als Bassist von Skid Row, bringt sein erstes Solo-Album "Gargoyle Of The Garden State" heraus. Die Platte, die eine Hommage an seine Heimat New Jersey darstellt, besticht durch spontane Punk-Vibes und Gastauftritte wie Danko Jones.
MairDuMont
Reise

Für Sie gelesen: „Bucketlist für den Ruhestand – Die 50 besten Reiseziele weltweit“

Der Reiseführer von Marco Polo inspiriert mit 50 Reisezielen in Deutschland, Europa und weltweit. Perfekt für alle, die ihre neue Freiheit im Ruhestand entdecken wollen.
Das Schloss Burscheid im Nebel
Reise

Urlaub mit der Trendfarbe 2026: Ruhige Reiseerlebnisse

Pantone kürt Cloud Dancer zur Trendfarbe 2026. Diese zarte Off-White-Nuance verleiht Orten wie Luxemburg, New Mexico und den Malediven eine besondere Ruhe und Weite.
Carree Dental
Gesundheit

Was tun, wenn die Zunge brennt?

Das Burning-Mouth-Syndrom verursacht brennende Schmerzen im Mund. Besonders betroffen sind Frauen über 40. Ursachen sind vielfältig, von hormonellen Veränderungen bis zu Stress. Wichtig ist eine korrekte Diagnose und individuelle Behandlung.
Gettyimages/Ilona Myronenko
Gesundheit

Aufruf zur Blutspende

Blut übernimmt viele wichtige Aufgaben im Körper. Besonders während der Sommermonate geraten Blutkonserven in Engpässe. Der Weltblutspendetag am 14. Juni macht auf die Bedeutung von Blut- und Plasmaspenden aufmerksam. Institutionen wie das DRK informieren rund um den Aktionstag über die Wichtigkeit von Spenden.