Vor einigen Tagen kam eine 53-jährige Patientin in meine Sprechstunde. „Meine Zunge, Gaumen und Lippen brennen und schmerzen seit Kurzem und fühlen sich rau und wund an“, erklärte sie mir. Hinter den Symptomen steckt oftmals das Burning-Mouth-Syndrom (BMS). Vielfach sind die Ursachen unklar. Besonders häufig leiden Frauen über 40 darunter. Das liegt an der nachlassenden Östrogen-Produktion und der damit verbundenen Mundtrockenheit. Oftmals sind neben hormonellen Störungen auch Allergien, Diabetes, Medikamenteneinnahme, Strahlentherapie, Mundschleimhaut- und Zahnfleischentzündungen sowie Karies Auslöser der Beschwerden. Aber auch seelische Probleme oder Stress können eine Rolle spielen. Klarheit bringt die Konsultation des Zahnarztes. „Es ist richtig, dass Sie bei der auffälligen Oberflächenveränderungen Ihrer Zunge sofort zu mir gekommen sind“, erwiderte ich. Denn bei solchen Beschwerden ist umgehende medizinische Hilfe erforderlich. Sie richtet sich primär nach der Ursache. Aufgrund der vielen möglichen Auslöser gibt es aber keine einheitliche Behandlungsmethode. Lindernd wirken meist entzündungshemmende Lösungen wie etwa Kamille-Konzentrate. Diese sollten mehrmals täglich angewendet werden. „Außerdem sollten Sie viel trinken, beispielsweise Lindenblütentee“, empfahl ich. Weitgehend verzichten sollte man bei Zungenbrennen auf Alkohol, Nikotin und scharfes Essen. Erforderlich ist zudem Geduld. Denn Zungenbrennen ist oft langwierig, verschwindet aber häufig nach einiger Zeit von selbst.
„Und wie kann ich mich davor schützen, dass es wieder auftritt?“, fragte mich die 53-Jährige. Wichtig sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – am besten mindestens anderthalb Liter stilles Wasser täglich – sowie intensive Mundpflege morgens und abends und falls möglich auch mittags. „Dabei nicht nur die Schneidezähne und die Kauflächen der Backenzähne gründlich reinigen, sondern auch die Innen- und Außenseiten aller Zähne berücksichtigen“, riet ich. Empfehlenswert sind kleine Rüttelbewegungen insbesondere am Zahnfleischrand, wo sich viel Belag bildet. Zudem die Zahnzwischenräume möglichst einmal täglich mit Zahnseide reinigen.
Neben dem Zungenbrennen können auch Verfärbungen auf Probleme hinweisen. Beim morgendlichen Blick in den Spiegel deshalb bitte regelmäßig die Zunge rausstrecken. Zeigt die Zunge lediglich einen dünnen, weißen Belag, so bedeutet dies in der Regel Entwarnung. „Meistens entsteht er tagsüber durch Ablagerungen etwa von Bakterien und Speiseresten oder er ist das Resultat einer verminderten nächtlichen Speichelproduktion In manchen Fällen kann dies aber auch ein Indiz für Pilzinfektionen, Eisenmangel oder etwa Magen- oder Darmprobleme sein.“ Kommt es immer wieder zu weißem und hartnäckigem Zungenbelag, so ist das oft ein Anzeichen ungenügender Mundhygiene. Dann die Zähne regelmäßig putzen und die Zunge mit einem Schaber reinigen, so haben diese Ablagerungen kaum eine Chance.