An einem warmen Sommertag kam kürzlich eine Kundin sichtbar erschöpft in meine Apotheke. „Mir ist immer wieder schwindelig“, sagte sie. „Ich vertrage diese Hitze offenbar nicht besonders gut.“ Ich kannte sie seit Jahren und wusste, dass sie mehrere Medikamente dauerhaft einnahm. „Damit sind Sie nicht allein“, antwortete ich und bot ihr einen Sitzplatz und ein Glas Wasser an. „Viele Menschen kommen an heißen Tagen mit Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen oder Schwindel zu mir und haben Fragen zur Lagerung ihrer Medikamente bei Hitze.“
Im Sommer können Hitze und Sonne die Wirkung von Arzneimitteln verändern oder Nebenwirkungen verstärken. Viele Kunden sind überrascht, wenn ich sie dazu berate. „Das hat mir bisher noch niemand gesagt“, höre ich dann oft. Hitze belastet den Flüssigkeits- und Wärmehaushalt des Körpers. „Manche Arzneimittel beeinflussen genau diese Mechanismen“, erklärte ich meiner Kundin. „Ich kann mir gerne ansehen, ob das auch bei Ihren Arzneimitteln eine Rolle spielt.“ Betroffen sind unter anderem blutdrucksenkende Medikamente, Entwässerungsmittel, Medikamente gegen Diabetes, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Abführmittel oder Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen. „Das bedeutet nicht, dass diese Medikamente im Sommer zwangsläufig problematisch sind“, betonte ich. „Aber bei großer Hitze muss man genauer hinsehen, und das mache ich gerne für Sie.“ Meine Kundin fragte: „Ich nehme jeden Tag einen Blutdrucksenker ein, und mir ist oft schwindelig. Soll ich die Dosis verringern oder die Tabletten während einer Hitzewelle mal weglassen?“ Meine Antwort war eindeutig: „Nein, bitte ändern Sie Ihre Medikation bei rezeptpflichtigen Medikamenten nie auf eigene Faust! Bitte sprechen Sie Ihre Ärztin darauf an.“ Auch bei arzneimittelhaltigen Pflastern sollte man im Sommer sehr aufmerksam sein. „Durch Wärme wird die Haut stärker durchblutet. Dadurch kann unter Umständen mehr Wirkstoff als vorgesehen in den Körper gelangen.“
Einige Arzneimittel können zudem die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. „Dadurch kann es schneller zu Hautschädigungen wie Sonnenbrand kommen. Sonnenbrand ist nicht harmlos – er kann langfristig das Risiko für Hautkrebs erhöhen“, erklärte ich. Gerade Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten daher konsequent auf Sonnenschutz achten: Möglichst im Schatten bleiben, bedeckende Kleidung und einen Hut tragen, und viel Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor auftragen. Sonnencreme wird oft zu dünn aufgetragen, in aller Regel aus Unwissenheit. Die Kundin fragte zum Abschluss noch, ob die Hitze auch ihren Medikamenten schade. Auch diese Frage höre ich im Sommer immer wieder. „Die meisten Arzneimittel können Sie auch an einem heißen Sommertag ohne Bedenken aus der Apotheke nach Hause tragen. In der Regel sind kurze Wege kein Problem, aber ich hätte auch eine Kühltasche für den Weg da“, erklärte ich ihr. „Lagern Sie Ihre Medikamente zu Hause am besten in einem Schrank im Schlafzimmer, dann überstehen die auch den heißesten Sommertag.“