„In meinem Alter lohnt sich das doch nicht mehr“, sagte vor einiger Zeit eine 70-jährige Patientin zu mir, als ich ihr eine bestimmte Antikörpertherapie gegen ihre Migräne empfahl. Sie hatte gehört, dass diese Behandlung nur für jüngere Menschen gedacht sei. Das hatte sie verunsichert. Sie machte sich zudem Sorgen über mögliche Nebenwirkungen. Solche Bedenken sind verbreitet. Ich konnte meine Patientin aber beruhigen: Aktuelle Behandlungsdaten zeigen deutlich, dass auch ältere Menschen von CGRP-Antikörpern profitieren können.
CGRP ist ein Botenstoff im Körper, der bei Migräne eine entscheidende Rolle spielt. Die modernen Antikörper blockieren seine Wirkung. Dadurch kommt es seltener zu Migräneanfällen. Diese Medikamente werden meist einmal im Monat gespritzt.
Früher war man bei der Verordnung für Ältere vorsichtig. Man hatte zum Beispiel Sorge, dass durch die Einnahme auch der Blutdruck steigen könnte. Heute weiß man, dass diese Ängste unbegründet sind. Solche Nebenwirkungen wurden bislang nur selten beobachtet, auch bei älteren Patienten. Wenn keine schwerwiegenden Gefäßveränderungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehen, können auch ältere Menschen CGRP-Antikörper nehmen. Selbst Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck sind kein Problem. Wichtig ist wie immer eine individuelle ärztliche Abklärung.
Das Gleiche gilt auch für die Akutmedikation mit Triptanen. Lange Zeit galt, dass diese Wirkstoffe bei älteren Menschen nicht eingesetzt werden sollten. Heute weiß man, dass dies möglich ist, solange keine starken Gefäßverengungen im Gehirn oder am Herzen vorliegen. Sind Herz und Kreislauf eines Migränepatienten gesund, können Triptane auch im Alter sicher angewendet werden.
Ich konnte meiner Patientin also ihre Sorgen nehmen. Sie entschied sich für die Antikörper-Therapie – und schon wenige Monate nach Beginn hatte sie deutlich weniger Migränetage. Sie kann ihren Alltag heute wieder freier und ohne ständige Schmerzen gestalten.
Alter allein ist also kein Grund, wirksame Migränetherapien nicht einzusetzen. Entscheidend sind der individuelle Gesundheitszustand und eine gute ärztliche Begleitung.