Gesundheitsrisiko

Schlafapnoe: Unterschätzte Gefahr durch Atemaussetzer

27.07.2026, 02.00 Uhr
von Andere
Schlafapnoe ist ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko. Atempausen können zu Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Moderne Therapieansätze bieten effektive Lösungen für Betroffene.

„Ich wache morgens auf und fühle mich, als hätte ich die ganze Nacht keine Minute geruht. Meine Partnerin klagt über mein lautstarkes Schnarchen im Schlafzimmer, das – wie sie sagt – plötzlich von einer unheimlichen Stille unterbrochen wird“, erklärte mir vor ein paar Wochen ein 52-jähriger Patient in meiner Sprechstunde. „Was viele als bloße Belästigung abtun, ist oft ein stiller Raubzug an Ihrer Gesundheit: die Schlafapnoe“, antworte ich dem Patienten. Dieser wurde anschließend von mir eingehend untersucht und meine Vermutung bestätigte sich. Er litt unter einer Obstruktiven Schlafapnoe.

Das Wort „Apnoe“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht „Windstille“. In der Medizin meinen wir damit gefährliche Atempausen. Wir unterscheiden dabei vor allem zwei Formen. Die Obstruktive Schlafapnoe ist der häufigste Fall. Hier erschlafft die Muskulatur im Rachen so stark, dass die Atemwege regelrecht zusammenfallen. Man will atmen, aber die Luft kommt nicht durch. Das anschließende laute Schnappen nach Luft ist der verzweifelte Versuch des Körpers, den Widerstand zu überwinden. Die Zentrale Schlafapnoe ist seltener und tückischer. Hier sind die Atemwege frei, aber das Gehirn vergisst schlichtweg, den Befehl zum Atmen zu geben. Es herrscht Funkstille zwischen der Steuerzentrale und der Lunge.

Manch einer schmunzelt über das Schnarchen oder hält es ab einem gewissen Alter für normal. Doch für das Herz-Kreislauf-System ist jede Atempause purer Stress. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, das Gehirn schlägt Alarm und schüttet Stresshormone wie Adrenalin aus. Die Folge: Der Blutdruck schießt in die Höhe. Langfristig steigt das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz deutlich an. Wer nachts nicht atmet, ist tagsüber oft nicht nur müder, sondern lebt auch gefährlicher – nicht zuletzt wegen des gefürchteten Sekundenschlafs am Steuer.

Die gute Nachricht: Niemand muss sich heute mehr mit den Folgen von Schlafapnoe abfinden. Die moderne Medizin bietet Lösungen. Der „Goldstandard“ ist die Masken-Überdrucktherapie. Sie leitet mit leichtem Überdruck gefilterte Raumluft in die Atemwege und hält sie wie eine unsichtbare Schiene offen. Diese Therapie empfahl ich meinem Patienten. „Das ist anfangs natürlich eine Umstellung der nächtlichen Routine und gewöhnungsbedürftig. Aber gerade bei schwereren Ausprägungen mit 
30 oder mehr Apnoen pro Stunde überwiegt in aller Regel der Nutzen“, erklärte ich ihm.

Eine andere Möglichkeit ist die Unterkiefer-Protrusionsschiene. Bei leichteren Formen der obstruktiven Schlafapnoe kann eine Zahnschiene nachts den Unterkiefer vorn halten und so den Rachenraum weiten. Es gibt auch noch alternative Methoden. In speziellen Fällen können operative Eingriffe oder sogar ein Zungengrund-Stimulator helfen, der die Muskulatur per Impuls strafft.

Mein Rat: Schlaf ist die Werkstatt unseres Körpers. Wer nachts Atemaussetzer hat oder tagsüber ständig einnickt, für den ist ein Besuch beim Hausarzt oder beim Schlafmediziner ratsam. Ein Besuch im Schlaflabor ist heute unkompliziert und kann das Leben nicht nur verlängern, sondern die Lebensqualität entscheidend verbessern.