Hyaluron-Risiken

Nach Hyaluron-Behandlung: Bei auffälligen Hautveränderungen sofort handeln

06.07.2026, 09.42 Uhr
von Afschin Fatemi
Eine Patientin erlebte nach einer Hyaluronunterspritzung einen Albtraum: Ihre Nasenspitze war in Gefahr. Der Eingriff wurde von einer nicht ausreichend ausgebildeten Behandlerin durchgeführt und hätte fast zu ernsthaften Schäden geführt. Schnelles Handeln rettete die Situation.
Dr. Afschin Fatemi
Dr. Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe mit zahlreichen Standorten in verschiedenen Regionen Deutschlands und der Schweiz. Fotoquelle: S-thetic Clinic

„Werde ich jetzt meine Nasenspitze verlieren?“ Diese Sorge beschäftigte kürzlich eine Patientin, bei der eine Hyaluronunterspritzung von einer nicht ausreichend ausgebildeten Behandlerin vorgenommen worden war. „Ihre Angst ist leider nicht unbegründet. Aber Sie haben richtig gehandelt und sind zum Glück sofort zu mir gekommen“, antwortete ich ihr.

Die Patientin hatte sich eine Hyaluronunterspritzung gewünscht. Ein Eingriff, der auf den ersten Blick harmlos erscheint. Tatsächlich wird er jedoch häufig von nicht entsprechend ausgebildeten Ärzten oder sogar von Personen, die keine Ärzte sind, angeboten. Das Problem: Wer die komplexe Gefäßanatomie des Gesichts nicht genau kennt, riskiert, beim Injizieren zu tief vorzudringen, ein Blutgefäß zu treffen und dieses durch das Hyaluron zu verschließen.

Genau das war bei meiner Patientin passiert. In der Folge wurde das betroffene Blutgefäß abgedrückt und konnte die nachgeschalteten Areale nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen. Die betroffenen Hautpartien an Nase, Wange und einem Teil der Oberlippe wurden zunächst auffallend blass, später waren sie violett verfärbt. „Hätte diese Unterversorgung länger angehalten, wäre es zu einem Absterben des Gewebes gekommen. Dieser Prozess kann innerhalb weniger Tage ablaufen, schnelles Handeln ist daher entscheidend“, erklärte ich der Patientin.

Die Patientin bemerkte die Veränderungen sofort. Zusätzlich begann sich die Haut oberflächlich abzulösen, ähnlich wie bei einer Schürfwunde. Sie suchte daraufhin ihre Behandlerin auf, die ihr jedoch fälschlicherweise riet, zunächst abzuwarten. Zum Glück entschied sich die Patientin dennoch, in unserer Praxis eine Zweitmeinung einzuholen. Wir erkannten die Dramatik sofort, lokalisierten das betroffene Gefäß mithilfe von Ultraschall und konnten das Hyaluron durch gezielte Injektionen von Hylase wieder auflösen. Hylase, auch Hyaluronidase genannt, ist ein Enzym, das Hyaluronsäure-Filler abbaut und verflüssigt, sodass das Material abfließen kann.

Das Blutgefäß konnte sich erholen, die Durchblutung kehrte zurück und Nase, Wange sowie Oberlippe konnten vollständig gerettet werden. Nach wenigen Tagen verschwanden die Verfärbungen, auch die Hautläsionen heilten folgenlos ab. Heute ist von dem Zwischenfall nichts mehr zu sehen. Ich bin sicher, dass die Patientin künftige ästhetische Eingriffe nur noch von entsprechend ausgebildeten Fachärzten durchführen lassen wird.