Neulich kam eine 76-jährige Patientin zu mir in die Sprechstunde und war verzweifelt: „Das geht jetzt schon seit Monaten so und ich weiß mir nicht mehr zu helfen! Es juckt da untenrum schrecklich. Inzwischen brennt es auch, besonders wenn der Urin darüber läuft, wenn ich auf die Toilette gehe.“ Sie habe schon viel versucht: „Ich war in der Apotheke, die haben mir eine Creme gegeben. Das hat etwas gelindert, aber es war nicht weg. Dann bin ich wie der in die Apotheke und habe eine andere Creme bekommen. Die hat dann nur gebrannt und gar nicht geholfen.“ Danach sei sie bei ihrem Hausarzt gewesen, der ihr etwas gegen eine Pilzinfektion verschrieben habe. „Ich habe genau nach Vorschrift die Salbe und Scheidenzäpfchen benutzt, es schien etwas besser zu werden, war schließlich aber wieder genau wie davor. Daraufhin hat mir der Hausarzt eine Überweisung zum Frauenarzt ausgestellt“, berichtete die Patientin.
Die Geschichte dieser Patientin ist nicht selten, und sie kommt genauso bei jüngeren Frauen vor. Es gibt eben verschiedene Ursachen für das Symptom „Juckreiz“. Sicherlich ist bei der jüngeren Frau im geschlechtsreifen Alter eine Pilzinfektion die häufigste. Diese Erkrankung lässt sich zuverlässig behandeln, mit Salben, Zäpfchen oder bei hartnäckigen Fällen auch mit einer Tablette. Eine weitere Ursache für das Jucken ist Trockenheit, die dann entsteht, wenn die Hormonproduktion der Frau aufhört, also in beziehungsweise nach den Wechseljahren. Hier hilft eine Creme, je nachdem nur befeuchtend oder aber mit örtlich wirksamen Hormonen.
Doch zurück zu meiner Patientin: Bei der Untersuchung zeigte sich der gesamte äußerliche Schambereich bis hinunter zum Darmausgang hochrot mit Kratzspuren und entzündlichen Belägen. Das typische Bild für eine verschleppte Entzündung. Nach der Durchbehandlung dieser Entzündung mit einem Kombi-Präparat ging es der Patientin schon deutlich besser. Bei der Patientin lag ein sogenannter Lichen Sclerosus vor. Das ist eine chronische entzündliche Erkrankung, die lebenslang behandelt wer den muss. Sie ist häufiger bei älteren Patientinnen, kommt aber auch bei Unter-30-Jährigen vor.
Es kommt immer wieder die Frage von Patientinnen, ob sie „etwas falsch gemacht“ hätten. Nein, keiner kann et was dafür, man muss es nur erkennen und behandeln. Unbehandelt kann der Bereich der Schamlippen und des Scheideneingangs verkleben und schrumpfen. Auf dem Boden eines Lichens kann sich auch ein Krebs entwickeln. Die Behandlung erfolgt mit einer Cortison-Salbe, die außerhalb der akuten Phase zweimal pro Woche dauerhaft angewendet werden muss. Dazu gehören regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Diese Erkrankung kann aus schließlich durch eine gynäkologische Untersuchung diagnostiziert werden.