Es muss nicht immer Fantasy sein: Mit einer neuen Reihe verlagert das ZDF altbekannte Märchen in die Gegenwart.

Die Deutschen und ihre Märchenfilme: Sowohl das ZDF ("Märchenperlen") als auch das Erste ("Sechs auf einen Streich") zeigen Jahr für Jahr aufwendige Adaptionen großer Klassiker im Weihnachtsprogramm und erreichen damit ein treues Publikum. Geschichten von Autoren wie Hans Christian Andersen oder den Gebrüdern Grimm werden alljährlich mit viel Liebe zum Detail neu aufbereitet. Daran ändert sich auch 2018 nichts. Doch das ZDF geht diesmal einen Schritt weiter und hebt mit "Herzkino.Märchen" eine neue Reihe aus der Taufe. Fantastische Elemente sucht man hier allerdings vergebens, denn die Märchen sind in die Moderne verlagert worden. Den Auftakt macht die hervorragende Neuinterpretation des Grimm'schen Klassikers "Schneeweißchen & Rosenrot" als TV-Premiere am 3. Advent.

Hier hören die titelgebenden Schwestern auf die Namen Bianca (Jeanne Goursaud, demnächst in "Hubert ohne Staller" zu sehen) und Rosalie Rothe (Zoe Moore, "Die Protokollantin"). Nach dem Tod ihrer Mutter sehen sie sich mit hohen Schulden konfrontiert. Nur gut, dass die Schwestern das Schneidertalent ihrer Mama geerbt haben. Klug wie sie sind, schaffen es die beiden, sich einen Platz bei einem hochdotierten Mode-Wettbewerb zu ergattern – im Team des im Rollstuhl sitzenden Stardesigners Paul Petit (Martin Umbach). Doch der vermeintlich generöse Modeschöpfer ist in Wahrheit ein manipulativer Fiesling ...

"Schneeweißchen & Rosenrot" gelingt es überzeugend, die klassische Geschichte in ein neues Setting zu übertragen, ohne dabei befremdlich zu wirken. Vielmehr entpuppt sich die Verlagerung des Geschehens in die heutige Zeit und die Welt der Mode als genialer Schachzug. Gleich zu Beginn des Films ist aus dem Off eine Zusammenfassung des Originalmärchens zu hören. Dabei sollte man gut zuhören – denn nur so erschließt sich die Cleverness, die Regisseurin Seyhan Derin und ihre Autorin Sarah Esser mit ihrer famosen Arbeit beweisen.

In der Grimm'schen Geschichte helfen die Mädchen dreimal einem undankbaren Zwerg aus der Patsche – dieser wird in der Neuauflage vom großartigen Martin Umbach (bekannt als Synchronstimme von Russell Crowe) als intriganter Modezar verkörpert. Und der in einen Bären verwandelte Prinz erscheint im ZDF-Film als charmanter Jungdesigner Leon Bär (Kerem Can), der Rosalies romantische Gefühle erwidert.

Alle zentralen Elemente des Märchens werden klug reinterpretiert und funktionieren auch in modernem Gewand tadellos – oder gar noch besser, weil die Macher aus der simplen Ursprungsgeschichte eine konfliktreiche, dramatische Handlung spinnen. Formal ansprechend inszeniert und mit spielfreudigen Darstellern besetzt, überzeugt die mit Popmusik gewürzte, zeitgemäße Variante auf ganzer Linie. Zwischendurch darf sogar noch Topmodel Jorge González durchs Bild hüpfen.

Eine Woche später, am 4. Advent, strahlt das ZDF eine Neuauflage von "Der Froschkönig" aus.


Quelle: teleschau – der Mediendienst