Schutzlos ausgeliefert
14.01.2025 • 22:15 - 22:45 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Schutzlos ausgeliefert: Ein Drittel aller Obdachlosen in Deutschland ist weiblich. Leonie (27) war eine von ihnen und machte "Platte" in der Düsseldorfer Innenstadt.
Vergrößern
Schutzlos ausgeliefert: Ein Drittel aller Obdachlosen in Deutschland ist weiblich. Leonie (27) war eine von ihnen und machte "Platte" in der Düsseldorfer Innenstadt.
Vergrößern
Zwischen Straße und Notunterkunft: Bevor Leonie ins "Housing First"-Programm in Düsseldorf aufgenommen wurde, war die 27jährige obdachlos.
Vergrößern
Schutzlos ausgeliefert: Leonie (27) hat ein knappes Jahr in einem Abbruchhaus gewohnt, bevor sie Unterstützung erhielt.
Vergrößern
Originaltitel
Schutzlos ausgeliefert - Frauen zwischen Straße und Notunterkunft
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Info, Gesellschaft + Soziales

Erst die feste Wohnung, dann der ganze Rest

Von Hans Czerny

Obdachlosigkeit ist keine Frage des Geschlechts. Allerdings sind Frauen dabei doppelter Belastung ausgesetzt, denn häufig sind sie von männlicher Übergriffigkeit betroffen. 30 Prozent der Obdachlosen sind Frauen, so die Statistik. "37°" begleitete drei von ihnen.

Die "37°"-Sozialreportage "Schutzlos ausgeliefert" begleitet drei Frauen unterschiedlichen Alters in drei verschiedenen Städten und zeigt zugleich, wie man ihnen helfen will. Ein Dach über dem Kopf ist dabei der erste Schritt, denn das Leben auf der Straße und das Nächtigen "auf Platte" führt zu Drogenkonsum, Alkoholismus und Arbeitslosigkeit. Zudem werden Frauen, die bei Männern Hilfe suchen, nicht selten körperlich und psychisch vergewaltigt.

Leonie, 27, lebte mit ihrem Freund zwei Jahre lang in einem Düsseldorfer Abbruchhaus. Als der Freund sie zu prügeln begann, zog sie aus. Ihre Hoffnungen auf ein stetes Leben waren zunichte, sie lebte zuletzt "auf einem Müllhaufen", wie sie sagt. Leonie hat fast keine Zähne mehr, sie spricht stockend in die Kamera, auch unter Tränen.

Regina, 59, lebt in Kiel in einer ihr von der Kieler Stadtmission zur Verfügung gestellten Notunterkunft. Der Jobsuche ist das nicht dienlich. Sie war Krankenschwester, zweimal verheiratet, sie hat drei Kinder alleine erzogen. Nach einer schweren Operation zog sie zu ihrem Ex-Mann zurück, dann aber aus gesundheitlichen Gründen auch wieder aus – in ein Zelt im Garten. Eine richtige Wohnung war für sie nur schwer zu finden, bei 439 Euro bezogenem Bürgergeld. "Es ist eine psychische Belastung", so sagt sie, "es kratzt am Selbstwert".

Auch Jana, 50, die in Köln unter einer Brücke lebt, ist eine von 607.000 Obdachlosen in Deutschland, ein Drittel davon sind Frauen. Jana wird jetzt vom Kölner Hilfsverein "Little Home" unterstützt, in ihrem tiny house, auch "mobile Wohnbox" genannt, soll sie auf 3,20 Quadratmetern in Ruhe und unabhängig von männlichen "Freunden" leben. Ihre Freude über das kleine Holzhaus treibt ihr vor der Kamera die Tränen ins Gesicht. Auch der engagierte Sozialhelfer an ihrer Seite ist glücklich. Doch ist die Holzhütte wirklich eine Startrampe zum besseren Leben? – Ja, sagt der Helferverein zukunftsfroh. Von 200 Obdachlosen hätten 130 später einen festen Wohnsitz gefunden, 90 von ihnen auch einen Job.

Die Wohnung ist nur ein Anfang

"Bauen, helfen, Obdach schenken", das ist die Devise des Kölner Vereins. Der bewegende "37°"-Film von Anne Kauth will das Schicksal obdachloser Frauen hautnah zeigen und wirbt dabei auch für die Unterstützung von Hilfsorganisationen wie "Little Home" oder "Housing first" in Düsseldorf. Die aus Amerika zu uns gelangte Methode "Housing First" will vor allem anderen Menschen zunächst eine stabile Unterkunft bieten, alles andere kommt hinterher. Erst mal hinschauen und handeln, nicht diskutieren, ist hier das Motto.

Als wollte man vor zu viel Optimismus warnen, wirkt es da, wenn Jana irgendwann aus ihrem tiny house wieder verschwunden ist und Leonie bekennen muss, trotz neuer Wohnung von einem wieder getroffenen Straßenfreund geschlagen worden zu sein. Die Wohnung ist nur ein Anfang, sie macht es nicht allein.

37°: Schutzlos ausgeliefert – Frauen zwischen Straße und Notunterkunft – Di. 14.01. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Professor Dr. Derek Zieker-Fischer lacht.
Gesundheit

Sanfte Linderung bei Erkältungsbeschwerden

Professor Dr. Derek Zieker-Fischer, bekannt aus der SWR-Gesundheitssendung „Doc Fischer“, gibt wertvolle Tipps zu Hausmitteln bei Erkältungsbeschwerden. Erklärt wird, wie man mit natürlichen Mitteln wie Honig, Nasenspülungen und Wadenwickeln gegen Husten, Schnupfen und Fieber vorgehen kann.
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.
Gesundheit

Hausmittel gegen Erkältung: Was Kindern hilft

In der kalten Jahreszeit sind Kindergärten oft ein Tummelplatz für Viren. Wie Eltern ihre Kinder schützen können und welche Hausmittel bei Erkältungen helfen, erfahren Sie hier.
Audible
HALLO!

Der neue Snape: Robert Stadlober über die Aufnahme des Hörbuches

Robert Stadlober verleiht in der neuen Hörspielreihe „Harry Potter: Die Hörbücher mit voller Besetzung“ dem Lehrer Severus Snape seine Stimme. Das Projekt wird von Pottermore Publishing und Audible präsentiert. Stadlober spricht über seine Erfahrungen und Herausforderungen bei der Arbeit an dieser Rolle und seine Sicht auf die Harry Potter-Welt.
Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Der Winterurlaub verändert sich

Kanaren statt Kälte, Ägypten statt grauer November, Thailand statt Winterjacke: Wenn es in Deutschland ungemütlich wird, zieht es viele Urlauber in die Sonne. Doch bei der Wahl des Winterziels zählen längst nicht mehr nur Wärme und Strand. prisma zeigt, welche Trends es gibt.
Leonora Huth schaut seitlich.
HALLO!

Leonora Huth über ihre Karriere: "Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört"

Trotz des verpassten ESC-Auftritts hat Leonora Huth musikalisch Fuß gefasst. Nach der Deutschland-Tour arbeitet sie nun an ihrem Debütalbum, das 2027 erscheinen soll.
Prof. Dr. med. Fadi Al-Rashid im weißen Kittel.
Gesundheit

Neue Behandlung bei Angina pectoris

Ein Sinus-Reducer kann bei refraktärer Angina pectoris den Blutfluss verbessern und die Lebensqualität steigern. Der minimalinvasive Eingriff bietet Hoffnung für Herzpatienten.