Eindrücklicher Einblick in die Barbarei des "Islamischen Staats": Zwei Frauen erzählen von ihrer Tortur als "Sklavinnen des IS", von der Flucht und vom Kampf für Gerechtigkeit.

Der "Islamische Staat" – längst ist er im Westen zu einer bedrohlichen Chiffre geworden; nicht selten wird er im Diskurs herausgekramt, wenn es um Geflüchtete und deren angeblichen Fundamentalismus geht. Dabei sind nicht wenige der aus dem Nahen Osten nach Deutschland gekommenen Menschen vor genau jenem IS-Terror geflohen. Etwa die jesidischen Frauen, die nun in einer eindrücklichen Dokumentation von ihren unvorstellbaren Leiden als "Sklavinnen des IS" berichten. Von den Vergewaltigungen und der Barbarei, der sie nur durch eine Flucht nach Deutschland entgehen konnten. Neben den fürchterlichen Schilderungen des Missbrauchs zeigt der Film, der nach der ARTE-Premiere jetzt auch im Ersten ausgestrahlt wird, die Versuche, die IS-Täter zur Rechenschaft zu ziehen – und er beleuchtet, warum die rechtsstaatliche Verurteilung als Kriegsverbrecher so schwerfällt.

Zwei junge Frauen berichten mit zitternder Stimme von den körperlichen und seelischen Verletzungen, die ihnen der IS zufügte. Sie gehören der religiösen Minderheit der Jesiden an, die im Nordirak leben. Sie schildern, wie die Islamisten 2014 die jesidischen Orte besetzten und Hunderte junge Frauen verschleppten, vergewaltigten und als Sklavinnen nahmen. So auch Shirin und Lewiza, die nach ihren traumatischen Erlebnissen nach Deutschland gelangten und seitdem in Baden-Württemberg in einem Rettungsprogramm für IS-Opfer betreut werden.

Dessen Leiter, der Traumatologe Jan Ilhan Kizilhan, ist der Meinung, dass die seelische Aufarbeitung der Schrecken nur mit gleichzeitiger juristischer Bestrafung der Täter gelingen kann. Gerechtigkeit schaffen: So lautet das oberste Ziel des Arztes, der Opfer und der Doku. Gelingen soll das mithilfe des britischen Juristen Philippe Sands, der sich auf Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit spezialisiert hat. Ihn begleitet der Film gemeinsam mit Shirin und Lewitza auf eine dreijährige Odyssee durch die Institutionen von Den Haag bis zum Generalbundesanwalt in Karlsruhe.

Am eindrücklichsten sind die Interviews mit den Opfern: Bisweilen sind die Schilderungen der Frauen so schockierend, dass einem das Zuschauen und Hinhören schwerfällt. So berichtet eine Befragte, wie manche Mütter dazu gezwungen wurden, ihr Neugeborenes zu töten und dessen Fleisch zu essen. Die unvorstellbare Barbarei des IS – sie wird in den Erzählungen stärker offenbar als in jedem Hinrichtungsvideo.

Schonungslos aufzuzeigen, dass derlei realer Horror heute im Namen von Religion noch geschehen kann, und zudem vom Westen zu fordern, die Täter zu fassen und als Verbrecher gegen die Menschlichkeit zu bestrafen, ist das große Verdienst dieser Dokumentation.


Quelle: teleschau – der Mediendienst