Tatort
09.07.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Das Kind als Seherin

Von Eric Leimann

Wer klassische Gruselfilme liebt, dürfte auch nach dem 2021 für den Grimme-Preis nominierten "Tatort: Parasomnia" zufrieden fröstelnd ins Bett gehen. Die Genrefilm-Liebhaber Erol Yesilkaya und Sebastian Marka ("Der Greif") erzählen von einem in Schlafvisionen gequälten Mädchen, das Tote "sieht".

Für die Filmemacher Erol Yesilkaya (Buch) und Sebastian Marka (Regie), zuletzt für die deutsche Fantasy-Serie "Der Greif" bei Amazon verantwortlich, könnte man fast ein eigenes "Tatort"-Genre aufmachen. Die beiden Kreativköpfe bespielen das deutsche Fernsehkrimi-Flaggschiff mit zwei, drei Arbeiten pro Jahr auf ganz spezielle Weise. Die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Berliner Folge "Meta", den Frankenkrimi "Ein Tag wie jeder andere" oder die großartige Murot-Folge "Es lebe der Tod" mit Jens Harzer als philanthropem Massenmörder haben sie beispielsweise erschaffen. Extrem überraschende Krimis, die den Genres Thriller und psychologischer Horror nahestehen. Mit dem Dresdener Fall "Parasomnia" vom November 2020, der nun wiederholt wird, haben die beiden für den wohl besten Grusel-"Tatort" in der langen Geschichte der Reihe gesorgt. Zur Belohung gab es auch dafür 2021 eine Grimme-Preis-Nominierung.

Und darum geht es: Illustrator Ben (Wanja Mues, "Ein Fall für zwei") bezieht mit seiner 14-jährigen Tochter Talia (Hannah Schiller) ein großes, DDR-gruselgraues Haus, welches – wie kann es anders sein – etwas abgelegen in einem Waldstück liegt. Seit dem frühen Tod der Mutter leidet Talia unter Schlafstörungen. Oft sieht sie nachts Dinge und Menschen, die andere nicht wahrnehmen. Dann jedoch geschieht in besagtem Gruselhaus tatsächlich ein Mord – vielleicht dachte der Täter, es wäre immer noch unbewohnt. Talia wird Zeugin des Verbrechens, kann sich aber in der Befragung durch Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) nur an Farbdosen statt eine Leiche und ausgelaufenes Rot statt Blut erinnern. Ein Muster ihrer Parasomnie, in der das Mädchen allzu Schreckliches in Dinge verwandelt, mit denen ihr geängstigtes Bewusstsein im Wachzustand leben kann. Während Gorniak und ihr Chef Schnabel (Martin Brambach) mit der ungewöhnlichen Jugendlichen nicht weiterkommen, "verliebt" sich Talia auf den ersten Blick in die Ermittlerin Leo Winkler (Cornelia Gröschel). Die erinnert sie mit ihren Prachtlocken wohl an die verstorbene Mutter. Ein guter Start für eine Reise ins finstere Unbewusste?

Gelungener Grusel im "Tatort"

Und wieder dürfte sich bei diesem "Tatort" die Frage stellen – samt scheidender Geister -, ob selbige auch in einem "Tatort" zu manifesten Bildern werden dürfen. Natürlich gibt es da den klassischen Ausweg: Nur das Mädchen sieht Gespenster, von denen die Kommissarinnen bald ahnen, dass es sich um ermordete Frauen handeln könnte. Da es die Toten – nach Recherchen in alten Stasi-Archiven – wohl aber tatsächlich gibt, stellt sich doch wieder die Frage nach dem Paranormalen, denn Talia konnte unmöglich von ihnen wissen. Es waren Opfer eines Serientäters – und die durfte es in der DDR laut politischer Doktrin nicht geben.

Gespenster im Fernsehen haben oft etwas ungewollt Drolliges, auch wenn sie außerhalb des eher fürs KiKa-Publikum gedachten Hui Buh-Kosmos auftauchen. Sebastian Marka muss man lassen, dass seine Schlafvisionen der jungen Talia tatsächlich Gänsehaut erzeugen, weswegen zarte Gemüter und jüngere Zuschauer diesen "Tatort" unbedingt meiden sollten.

Die 14-jährige Talia wird von der mittlerweile 23-jährigen Hannah Schiller gespielt. Die hochtalentierte Bonnerin, die seit ihrer Kindheit dreht, ist mittlerweile gut im Geschäft. Und sie hat offenbar ein Faible für obskure Stoffe. In der mit Spannung erwarteten Mystery-Serie "Die nettesten Menschen der Welt" (ab 21. Juli in der ARD Mediathek und am 23. Juli im Ersten) von Alexander Adolph und Eva Wehrum, eine Art deutscher "Twilight Zone" spielt sie eine der Hauptrollen.

Tatort: Parasomnia – So. 09.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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