Tatort
23.07.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Der Tod lauert im Untergrund

Von Wilfried Geldner

Als am Stadtrand von Berlin eine verkohlte Leiche entdeckt wird, stoßen die Berliner "Tatort"-Kommissare Meret Becker und Mark Waschke auf ähnlich gelagerte frühere Fälle. Alle Opfer wurden in einer Kinderwunsch-Klinik erzeugt.

Das muss man auch erst einmal hinkriegen: nämlich die einst noch unerlaubte künstliche Befruchtung mittels Eizellentransplantation und die Umtriebe eines Serienmörders miteinander in Einklang zu bringen. Dass so etwas nicht ganz ohne dramaturgische Schrammen abgehen kann, liegt auf der Hand. Der Berliner "Tatort: Dein Name sei Harbinger" (2017) aus der Feder des Autorenduos Michael Comtesse und Matthias Tuchmann, der 2016 mit 42 Jahren verstarb, schwankt zwischen frecher Pulp-Fiction und reißerischem Psychothriller. Dazwischen, irgendwo im Berliner U-Bahn-Untergrund, die schrägen Kommissare Meret Becker und Mark Waschke – warum auch nicht. Das Erste wiederholt den Krimi, der bei seiner Erstausstrahlung von 8,30 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 22,7 Prozent) gesehen wurde, während der Sommerpause der regulären "Tatort"-Ausstrahlungen.

Die Berliner Kommissare leiden an privaten Schmerzen: Nina Rubin (Meret Becker) trägt einen Cut über dem Auge, den sie den ganzen Film über beibehalten wird. Angeblich wurde er ihr vom eigenen Sohn zugefügt, der allerdings bei seinen späteren Auftritten einen mehr als nur passablen Eindruck macht. Anna Feil, die Praktikantin (Carolyn Genzkow), skypt indessen mit der Mutter in Argentinien, die ihr die Nachricht vom Tod des Vaters überbringt. Kollege Karow (Mark Waschke) fährt bei so viel beweinenswertem Elend scharf dazwischen und betont harsch, dass man doch wohl "keine Selbsthilfegruppe" sei.

Der Täter liegt auf der Hand – oder?

Als man schon meinen könnte, alles würde sich so weiterziehen, wird am Stadtrand eine verkohlte Leiche in einem Transporter entdeckt. Dass der Herr von der Spurensicherung die Kommissare mit der unziemlichen Bemerkung begrüßt, sie seien wohl "ein Magnet für Horrorleichen", wirkt recht befremdlich. Als wäre es, nolens volens, nicht genau umgekehrt. Magnetische Eigenschaften scheinen die Kommissare allerdings im Verlauf ihrer Recherchen zu haben: Da fällt ihnen vieles leichthin zu, wofür die Kollegen andernorts Tage bräuchten. Hier ein Psychologe, dort ein Sozialarbeiter, der Auskunft über den möglichen Täter geben kann. Die Datenverarbeitung bringt ans Licht, dass es bereits vor Jahren drei weitere Morde mit gleichem Muster gab.

Der Zuschauer kennt den vermeintlichen Täter von Anfang an: Im labyrinthisch verschachtelten Büro eines Schlüsseldienstes im U-Bahn-Untergeschoss streicht dieser Mensch sorgfältig aufgelistete Namen durch und spricht dabei rätselhafte Sätze wie ein durchgeknallter Alien ins Diktafon. Das kann, das muss der Serienmörder sein. Dass er irgendwann einem verlassenen Mädchen hilft oder einer Dame die von ihm verfertigten Schlüssel ohne Bezahlung überlässt, mindern die Zweifel nicht an dieser finsteren Gestalt.

Ein surrealer Berlin-Krimi

Sehr bald treffen die Berliner Kommissare auf diesen von Christoph Bach durchgängig mit dämonischer Aura gespielten Kauz. Zudem wurden alle Opfer in einer "Kinderwunschklinik" mittels künstlicher Befruchtung gezeugt. Unser Mann vom Untergrund hatte vor Zeiten offensichtlich nicht nur im Sinne der Organisation Opus Dei vor der Klinik protestiert. Er hatte auch einen Autobombenanschlag auf die Klinikchefin im Schilde geführt. Das brachte ihm prompt den Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt ein.

Die Verfolgung des Mannes, der sich Harbinger nennt, nimmt nun große Teile dieses "Tatorts" ein, und sie sind in U-Bahn-Röhren, Untergrund-Schächten und letztlich aufgelassenen Werkshallen vom Regisseur Florian Baxmeyer derart kühn verfilmt, dass man ihnen fraglos einen Platz auf den Berliner Locations-Rekordlisten einräumen darf.

Tatort: Dein Name sei Harbinger – So. 23.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.
Alexander Scheer vor einem roten Hintergrund.
HALLO!

Alexander Scheer: "Bowie hatte 35 verschiedene Leben"

Lola-Gewinner Alexander Scheer („Gundermann“, „Sonnenallee“) feiert als David Bowie im Stück „Heroes“ seit März 2025 große Erfolge in Berlin. Nun geht der Schauspieler und Sänger mit der Show, die am Berliner Ensemble regelmäßig ausverkauft ist, auf Tour. Im Interview spricht er über Bowies Musik und dessen Liebe zur Literatur.
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie. Der Schulter- und Knieexperte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Gesundheit

Knie-Arthrose: Nur keinen Schongang einlegen

Knie-Arthrose muss nicht das Ende der Beweglichkeit bedeuten. Mit gezielten Übungen kann der Knorpel gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Entdecken Sie einfache Bewegungsformen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Getty Images
Reise

Mit KI zum perfekten Urlaub 

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Reiseplanung vereinfachen. Viele Fluggesellschaften und Anbieter setzen bereits auf sie. Auch KI-basierte Apps erweisen sich als hilfreiche Assistenten.