Auch Film zwei der neuen ARD-Donnerstags-Krimireihe geriet dunkel und hart. Schade, dass man sich nicht vollends für einen Arthaus-Krimi entscheiden konnte.

"Über die Grenze: Gesetzlos" beginnt dort, wo der erste Film der neuen Krimireihe im Ersten eine Woche zuvor aufhörte. Jungpolizistin Leni Herold (Anke Retzlaff) ist traumatisiert der Geiselhaft bei zwei Schwerverbrechern entkommen. Vater Steffen (Thomas Sarbacher) versucht derweil, mit seinem mysteriösen alten Kumpel, dem französischen Ermittler Yves Kléber (Philippe Caroit), einen Russenmafia-Clan ausheben. Der macht im deutsch-französischen Grenzgebiet bei Kehl gute Geschäfte. Als der Sohn des brutalen Bosses Jegor Sobolew (bedrohlich: Johannes Krisch) bei einem missglückten Drogendeal ums Leben kommt, droht ein Rachefeldzug der kompromisslosen Gangster. Haben die deutsch-französischen Grenzpolizisten gegen den verschwiegenen und auf Ehre gebürsteten Russen-Clan überhaupt eine Chance?

Das Drehbuch schrieben wie beim ersten Film Felice Götze, Paul J. Milbers und Sabine Radebold. Götze zeichnete 2015 für den starken Bremer "Tatort: Die Wiederkehr" verantwortlich. Regie führte wiederum Michael Rowitz ("Mit Burnout durch den Wald"). Für einen Donnerstagskrimi der ARD, die sonst meist auf schicke bis liebliche inszenierte Postkartenmotive setzen (Barcelona, Tel Aviv, Island, demnächst Lissabon), ist die Ästhetik von "Über die Grenze" durchaus ungewöhnlich.

Der Handlungsort Kehl gibt wenig her, dafür wird das Leben, Leiden und Sterben der Protagonisten mit emotionaler Fallhöhe und in meist dunklen Farben ausgeleuchtet. Würde man auf das ein oder andere Klischee beim Zeichnen der Nebenfiguren verzichten – vor allem das deutsch-französische Ermittlerteam wirkt ein wenig künstlich -, wäre die ordentliche Filmreihe, die mehr Thriller als Mitrate-Krimi ist, noch stärker. So reicht es für "Über die Grenze: Gesetzlos", das beim starken Finale endlich das Beziehungsgeheimnis zwischen Herold und Kléber aufklärt, immerhin zum Titel "Donnerstagskrimisieger".


Quelle: teleschau – der Mediendienst