Der knorrige Hamburger Alt-Kapitän hat schon viele Pflegerinnen verschlissen – jetzt bleibt nur noch Roza, die Polin aus Masuren. Lina Wendel spielt sie wunderbar.

Wenn der pensionierte Hamburger Käpt'n mit dem Schulterbruch und der Beinverletzung im Degeto-Freitagsfilm "Verliebt in Masuren" plötzlich auf eine eiligst angeheuerte polnische Pflegekraft angewiesen ist, und wenn er darüber hinaus auch noch persönliche Vorurteile gegenüber Polen hat, ist sicherlich Skepsis geboten. Ob so viel gut Gemeintes als Feel-Good Movie mit Happyend klappen kann? – Es klappt, dank sorgfältig umschiffter Klischees, erstaunlich wenig Polen-Witzen, viel masurischer Seenplatten-Natur und, vor allem, wegen eines vorzüglich eingestellten Schauspielteams, das unter der Regie von Bruno Grass seinen ganzen Charme in die Waagschale geworfen hat.

Die Fettnäpfchen stehen bereit im deutsch-polnischen Freundschaftsspiel, die political Correctness schreibt beim Drehbuch (Kerstin Römer) fleißig mit. Ostpreußen? Masuren – da war doch mal was? Doch es geht nicht um die Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren. Die Vor-Geschichte spielt hier gerade mal in den 60-ern. Und sie ist genau so unverfänglich und privat, dass sie eine leise romantische Komödie tragen kann. Einer kam aus Masuren und nahm dem Hamburger Sailor einst die Frau, und als diese den Schuft in Polen besuchen wollte, starb sie bei einem Unfall dahin.

Das wiederum kommt freilich samt finaler Versöhnung derart zögerlich ans Licht, dass man an den Versehrten-und-Krankenschwester-Konflikten lange seine Freude haben kann. In Hans Ulrich Bauer, der einen verstockten ehemaligen Containerkapitän und Freizeit-Segler spielt, und seiner selbstbewussten polnischen Pflegerin Roza (Lina Wendel) treffen zwei derart unterschiedliche Charaktere aufeinander, dass man ihnen lange Zeit keine Chance für einander geben mag.

Es bleibt dann dem Schicksal überlassen, dass sich alles auf wundersame Weise fügt. Weil es nach den eilig verabredeten sieben Pflegetagen keinen Ersatz für Roza gibt und Kurts Familie keine Zeit für den ungeliebten Vater hat, nimmt die Polin den verletzten Segler einfach mit nach Masuren. Den dort gepflegten Lustbarkeiten bei der  Hochzeitsfeier für Rozas Tochter kann sich nebst Schifferlfahrten auf der Seenplatte keiner entziehen.

Selbst das Drama von einst wird nach einer neu erwachsenen Freundschaft beim Wodka besiegelt. Alle versöhnen sich, die Deutschen und die Polen, Kurt sticht vom Hafen Hamburg aus in See Richtung Biskaya – und bleibt dann doch bei seiner Roza (die man übrigens "Ruuscha" spricht). In einer Romatic Comedy ist so was erlaubt. Und einen polnischen Sprachkurs gibt es obendrein. Mehr Versöhnung geht nicht in diesen wieder etwas schwierigen deutsch-polnischen Zeiten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst