Drei zerstrittene Schwestern treffen sich, um den 100. Geburtstag der Ältesten zu feiern. Kurz vor Weihnachten zeigt das Erste die Verfilmung von Anne Gesthuysens Besteller-Roman nach eigenen Familienerinnerungen.

Hiltrud (Hildegard Schmahl) wird 100 Jahre alt. Mit ihren Schwestern, der 98-jährigen Martha (Getrud Roll), vor allem aber mit "Nesthäkchen" Betty (Jutta Speidel als 84-Jährige), pflegt die pensionierte, stets alleinstehende Schulleiterin keinen oder nur bärbeißigen Kontakt. Zum Fest will Martha die Schwestern wieder versöhnen. Bei ihrem Treffen auf einem alten Gutshof begleiten junge Filmstudentinnen (Anke Retzlaff, Victoria Schulz) das betagte Trio mit der Kamera. Warum haben sich die Geschwister entzweit? Wieso verlief ihr Leben so ganz anders, als sie es sich selbst erhofft hatten? "Wir sind doch Schwestern" ist die Verfilmung des gleichnamigen, 2012 erschienen Debütromans der ehemaligen "Morgenmagazin"-Moderatorin Anne Gesthuysen.

Gerade ist Gesthuysens dritter Roman "Mädelsabend" erschienen, der ebenfalls Frauenbiografien von früher mit denen von heute vergleicht. In ihrem Debüt "Wir sind doch Schwestern" zeichnete die heute 49-jährige Ehefrau Frank Plasbergs eine Jahrhundertgeschichte frei nach Motiven der eigenen Familie, die wie ihre Protagonistinnen vom Niederrhein stammt.

Das von Gesthuysen fast schon in humorig plauderigem Ton geschriebene Langzeit-Drama bevölkert auch eine männliche (Haupt)figur: den Gutsherren Heinrich Verhoeven (Benjamin Sadler), mit dem Betty eine heimliche, weil nicht standesgemäße Beziehung lebte. Hiltrud jedoch macht Verhoeven, der es später als konservativer Politiker zu einer gewissen Prominenz brachte, für den Tod seines Bruders im Ersten Weltkrieg verantwortlich – den wiederum Hiltrud liebte und heiraten wollte.

Die vielfach preisgekrönte Drehbuchautorin Heide Schwochow ("Landgericht – Geschichte einer Familie", "Bornholmer Straße") erzählt das lange Leben der drei Schwestern auf drei Zeitebenen: auch als Kinder und junge Frauen ist das Geschwister-Trio zu sehen. Den Löwenanteil der Spielzeit bestreiten allerdings die ausdrucksstarken älteren Darstellerinnen: Hildegard Schmahl (78), Getrud Roll (82) und Jutta Speidel (64). Regisseur Till Endemann ("Das Programm") ist dieser "Jahrhundertfilm" ein wenig schwerer geraten, als es dem ohnehin schon betagten Stoff gutgetan hätte. Dazu lässt sich eine gewisse Konstruiertheit des Plots nicht leugnen.

Dennoch beeindruckt das Spiel der Schwestern. Vor allem die große Theaterschauspielerin Hildegard Schmahl ("In Zeiten des abnehmenden Lichts") ist als verbitterte Hundertjährige, die Erlösung auf den letzten Metern sucht, eine Wucht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst