Die 35-jährige Afrikanerin Sira unterstützt als Dolmetscherin Asylsuchende, indem sie ihnen zu gesetzeskonformen Fluchtgeschichten verhilft. Ein verblüffend aktueller TV-Film aus Frankreich.

Der Fall gleicht auf den ersten Blick den Vorfällen beim so genannten Bremer "Asylskandal", wo eine Beamtin jüngst in einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge Hunderten jesidischen Kurden zu Unrecht Asyl gewährt haben soll. Im Pariser "Büro zum Schutz für Flüchtlinge und Staatenlose" sorgt im ARTE-Film "Zeit des Aufbruchs" von Virginie Sauveur ("Le temps des égarés", Deutsche Erstsendung) eine durchtriebene Dolmetscherin dafür, dass die Fälle Asylsuchender jeglicher Herkunft so gedreht werden, dass sie den aberwitzigen Regeln der Behörde gerecht werden. Das alles gegen gutes Geld, wie sich versteht.

Die 35-jährige Sira (Claudia Tagbo) ist selbst als junges Mädchen aus Afrika geflohen und arbeitet nun als Dolmetscherin bei der Asylbehörde. Gegen Geld hilft sie Flüchtlingen, neue Lebensläufe so abzuändern, dass deren Asylanträge genehmigt werden. Ihr Slogan gegenüber Asylsuchenden: "Ich bin teuer, aber ich gewinne!" Als der Literaturprofessor Abdul Yassin (Amer Alwan), der bei IS-Attentaten seine Familie verlor und auf der Flucht beinahe erschossen wurde, abgelehnt wird, weil man seinem wahren Bericht nicht glauben will, versucht er mit allen Mitteln für die Wahrheit zu kämpfen. Abdul will sein Schicksal keineswegs heimlich nach Behördenregeln abändern lassen. Frankreich sei für ihn ein aufgeklärtes, den Menschenrechten verpflichtetes Land.

Virginie Sauveur zeigt in ihrem preisgekürten Film, in dem sie mehrere Asylantenschicksale nach und nach geschickt miteinander verbindet, welch aberwitzige Blüten eine von der Bürokratie verordnete möglichst umfassende Asylverweigerung treibt. Der ruhig erzählte Film erhielt unter anderem den Publikumspreis beim Fernsehfestival 2017 in Biarritz.


Quelle: teleschau – der Mediendienst