"Zur Hölle mit den anderen" verlegt Polanskis "Gott des Gemetzels" in die deutsche Mittelschicht.

Man stellt sich das gemeinhin so schön vor, wenn man alte Bekannte nach Jahren wieder trifft: gemeinsames schwelgen in Erinnerungen, alte Fotos anschauen, dazu ein Glas Rotwein. Was aber, wenn man sich nichts mehr zu sagen hat? Oder, noch schlimmer: wenn man feststellt, dass man sich eigentlich gar nicht mehr ausstehen kann? Die hervorragende Komödie "Zur Hölle mit den anderen" spielt dieses Szenario durch. Und das ohne Gnade.

Regisseur Stefan Krohmer lässt in seinem Film vier Paare, alle Mitte 30, Anfang 40, aufeinandertreffen. Seit neun Jahren haben sich Katrin (Britta Hammelstein) und ihre Studienfreundin Sandra (Mira Bartuschek) nicht mehr gesehen, jetzt ist Katrin mit Mann Steffen (Felix Knoop) zu Gast bei Sandra und Erik (Holger Stockhaus). Eltern sind sie alle in der Zwischenzeit geworden, sonst aber gibt es kaum Gemeinsamkeiten mehr.

Katrin hat sich zur taffen Karrierefrau gemausert, während Sandra, im Studium einst die Überfliegerin, sich in Vollzeit um Sohn Frederik kümmert. Bei den Männern ist es Erik, der erfolgreich eine Chemiefabrik leitet, während Steffen, einst Journalist und selbst erklärter Öko, ganz den modernen Papa gibt und zu Hause bleibt. Ihr Kind haben die beiden, politisch überkorrekt, ausgerechnet Fatme genannt. Trotz blonder Haare. Erik hingegen hat "zwar nichts gegen Ausländer, aber ...". Die Fronten sind also schnell klar. Zunächst sind es nur ein paar harmlose Fragen, die die Funken entzünden: "Ach, du arbeitest gar nicht?!", oder: "Du bist verheiratet?" – "Klar, du nicht?"

Dass hier die unterschiedlichsten Lebensentwürfe aufeinandertreffen, ist allen Beteiligten schnell klar. Und ein jeder macht sich daran, seinen eigenen als den besten zu verteidigen. Zunächst aus Überzeugung, irgendwann nur noch aus Prinzip. "Du hast Gender-Studies studiert", ereifert sich Katrin, als Sandra ihrer Tochter ausgerechnet eine rosafarbene Plastikküche schenkt. Und Erik attackiert Steffen ganz offen: "Wenn ich diese Öko-Terroristen nur sehe, könnte ich das Jagdgewehr ausm Schrank holen", erklärt er dem überzeugten Umweltschützer.

So geht das 90 vergnügliche Minuten hin und her, fast so wie in Roman Polanskis Theaterstückverfilmung "Gott des Gemetzels". Es wird geschrien und gezetert, gesoffen und irgendwann auch geprügelt. Unter der scheinbar zivilisierten Oberfläche, so die Botschaft hier und bei Polanski, lauert eben doch noch ein Tier im Selbsterhaltungsmodus. Dass sich irgendwann nicht mehr die Paare gegenseitig bekriegen, sondern sich auch untereinander die Augen auskratzen, ist bei all dem Hass, der sich in vielen Ehejahren aufgestaut hat, unausweichlich. Das großartige Drehbuch von Nicole Armbruster brennt bei all dem ein wahres Feuerwerk an fiesen Sprüchen und klugen Bonmots ab, die sich ein hervorragend aufgelegtes Schauspielensemble genüsslich entgegenschleudert. Ehrlicher als mit diesem Film ließe sich kaum ins neue Jahr starten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst