Juliette, die Frau des Schiffsführers Jean, hat das eintönige Leben an Bord satt - umso mehr, nachdem ihr bei einem abendlichen Ausflug in die Stadt ein charmanter Mann den Hof macht. Als sie sich nachts heimlich vom Schiff schleicht, legt ihr eifersüchtiger Ehemann ab, ohne auf sie zu warten...

Die beeindruckende Tristesse war der letzte Film des Anarchisten Jean Vigo. In der Übergangsphase vom Dokumentarischen zum kritischen Realismus der Dreißigerjahre vereinigte er hier noch einmal Elemente des Surrealismus, einer poetisch aufgefassten Dingwelt und nicht zuletzt des Stummfilms westlicher und sowjetischer Prägung. Ein faszinierender, poetisch-realistischer Film, der zwischen Phantastik und Realistik pendelt. Die Gegenständlichkeit des Motorschleppers und "seiner" Welt, nämlich die Flußlandschaft, das Wasser, das Ufer, die Schleuse, die Kais vermitteln letztlich eine Art romantischer Geborgenheit, trotz der ärmlichen Lebensweise, der harten Arbeit und der Enge. Das Wunschsymbol Paris wird seines Glanzes nicht nur durch den Diebstahl, dessen Opfer Juliette ist, entkleidet, sondern viel vehementer durch die trostlosen Gruppen der Arbeitslosen, denen sich Juliette auf ihrer "Wanderung" verschiedentlich konfrontiert sieht.