Inge Meysel

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Ich könnte deine Oma sein... - Inge Meysel, Peter Sattmann
Inge Meysel
Geboren: 30.05.1910 in Berlin, Deutschland
Gestorben: 10.07.2004 in Hamburg, Deutschland

In mehr als hundert Filmrollen, überwiegend TV-Produktionen, ist Deutschlands populärste Volksschausspielerin geschlüpft. Von der Salondame über die Putzfrau bis hin zur hinterhältigen Mörderin ist alles dabeigewesen. Aber welche Figur wird nachhaltig in unserer Erinnerung bleiben? Die unverbesserliche Käthe Scholz! Wir sehen eine kleine Frau in Kittelschürze, die in einer schlichten Wohnung das Regiment führt. Sie kämpft mit den Tränen und dem Alltag, aber sie weint nicht. Sie ballt die Fäuste, denn sie ist eine Kämpfernatur mit großem Herz, großen Kulleraugen und - großer Klappe. Inge Meysel spielt die Mutter der TV-Serie "Die Unverbesserlichen". Von 1965 bis 1971 läuft immer eine Folge; im Ersten natürlich, für alle, unverschlüsselt, zur Prime Time, ohne Werbung und stets am Muttertag. Das geht dem Stärksten unter die Haut. Und diese Bemutterung bleibt nicht folgenlos, wir erleben die Geburt der "Mutter der Nation".

"Dieses Bild wird bleiben", heißt es schon aus anderer Feder, "eine deutsche Mutter in Kittelschürze, aber kein Heimchen am Herd, eher eine Tigerin". So wie im richtigen Leben, wo die Meysel selbst auf ihre alten Tage ungern ein Blatt vor den Mund nimmt und die couragierte kleine Frau gibt, die sich nicht unterbuttern lässt. 1991, Jahre vor dem Umzug nach Hamburg im September 1999 noch ganz die Berlinerin, schreibt sie ihre Biografie "Frei heraus - mein Leben". Das begann 1910 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Julius Meysel und seiner Frau Margarete Hansen, einer Dänin. Die dreijährige Inge spielt in der Oper "Hänsel und Gretel" einen Engel, die Vierjährige erhält Ballettunterricht, die 16-Jährige bekommt die Hauptrolle im Schultheater. Scheint es da nicht konsequent, dass die 17-jährige Inge Meysel sich mit gefälschter Unterschrift vor dem Abi drückt und sich statt Schule Schauspielunterricht verordnet? Ilka Grüning und Lucie Höflich, eine der besten deutschen Schauspielerinnen damals, sind ihre Lehrer - Beginn einer Theaterkarriere in Zwickau (Debüt 1930), in Berlin und Leipzig.

Dann machen die Nazis ihre Pläne zunichte. Weil ihr Vater Jude ist, erhält Inge Meysel 1935 Berufsverbot. Sie zieht nach Hamburg und heiratet 1945 in erster Ehe ihren langjährigen Lebenspartner Helmut "Hell" Rudolph, von dem sie sich 1942 auf Geheiß der Nazis trennen musste. Als die Nazis besiegt sind, ist Inge Meysel schon 35 Jahre alt. Sie nimmt ihren zweiten Karriereanlauf, der Anfang/Mitte der Sechzigerjahre mit dem Fernsehen groß in Fahrt kommt. Inge Meysel spielte alles Mögliche, nicht nur Mütter, auch zwiespältige oder unsympathische Charaktere. In zahlreichen Filmen und Serien wie "Im sechsten Stock", "Ida Rogalski", "Gertrud Stanitzki", "Stadtpark", "Polizeiruf 110" und zuletzt in den "Heimatgeschichten", stellt sie immer wieder ihre Fähigkeiten unter Beweis. In einem ihrer letzten TV-Filme, "Das vergessene Leben" (1997), überzeugt sie in der Rolle als geistig verwirrte Greisin Sophia so nachhaltig, dass ihr zwei Tage nach der Erstausstrahlung im Januar 1999 der Goldene Gong verliehen wird.

Den Grundstein ihrer TV-Karriere aber hat Inge Meysel mit dem Curth-Flatow/Horst-Pillau-Drama und -TV-Spiel "Das Fenster zum Flur" (1960, als Portiersfrau Mutter Wiesner), den "Unverbesserlichen" und weiteren Serien in den Siebzigern und Achtzigern wie "Ida Rogalski" oder "Mrs. Harris" gelegt (in der Rolle der Reinemacherfrau Ada Harris, die die große weite Welt erlebt). Dazwischen immer wieder Bühnenauftritte wie in der Komödie am Kurfürstendamm, wo Inge Meysel u.a. mit dem Alten-Stück "Teures Glück" gastiert - ein Publikumsrenner, der mit Inge Meysel insgesamt 558 Mal zur Aufführung kommt. Inge Meysel war in zweiter Ehe seit 1956 mit Regisseur John Olden bis zu dessen Tod 1965 verheiratet. Ihr Lebenswerk wurde u.a. 1995 mit dem Telestar und 2000 mit dem Deutschen Fernsehpreis sowie der Goldenen Kamera ("Hör zu") gewürdigt

Filme mit Inge Meysel: "Großstadtnacht" (1932), "Liebe 47" (1949), "Schatten der Nacht" (1950), "Meine Nichte Susanne" (1950), "Der Fall Rabanser" (1950), "Taxi Kitty" (1950), "Die Dubarry" (1951), "Sensation in San Remo" (1951), "Kommen Sie am Ersten" (1951), "Unter den tausend Laternen" (1952), "Tanzende Sterne" (1952), "Des Teufels General" (1954), "Ein Mann muß nicht immer schön sein" (1956), "Doktor Crippen lebt" (1957) (1957), "Immer die Radfahrer" (1958), "Bobby Dodd greift ein" (1959), "Skandal um Peggy" (1958), "Rosen für den Staatsanwalt" (1959, Kino), "Im sechsten Stock" (1959), "Neues aus dem sechsten Stock" (1959), "Schau heimwärts, Engel" (1961), "Liebe verboten - Heiraten erlaubt" (1959), "Als geheilt entlassen" (1960), "Madame Sans-Gêne - Ungezähmte Catherine]" (1960), "Ihr schönster Tag", "Blond muss man sein auf Capri" (alle 1961), "Der Biberpelz" (1962), "Tivoli" (1963), "Der Stadtpark" (1963), "Ein Frauenarzt klagt an" (1964), "Die eigenen vier Wände" (1965), "Palme im Rosengarten" (1967), "Weh' dem, der erbt" (1969), "Die Ratten" (1969), "Muttertag" (1975), "Endstation Paradies" (1977), Kinderfilm "Der rote Strumpf" (1980), "Frau Juliane Winkler" (1983), "Das Geschenk" (1984), "Selbstbedienung" (1984), "Wie war das damals" (1985), "Die kluge Witwe" (1985), "Grenzenloses Himmelblau" (1985), "Vertrauen gegen Vertrauen" (1986), "Die Erbschaft" (1987), "Kein pflegeleichter Fall" (1990), "Innige Feindschaft" (1991, mit Hildegard Knef), "Taxi nach Rathenow" (1991), "Schlußabrechnung" (1993), "Großmutters Courage" (1994), "Glück auf Kredit" (1995), "Babuschka" (1995), "Guppies zum Tee" (1997), "Tatort - Blaues Blut" (1999), "Die blauen und die grauen Tage" (1999), "Die Liebenden vom Alexanderplatz" (2001).

Zur Filmografie von Inge Meysel
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