Wolfgang Preiss

Der ewige Offizier: Wolfgang Preiss Vergrößern
Der ewige Offizier: Wolfgang Preiss
Wolfgang Preiss
Geboren: 27.02.1910 in Nürnberg, Deutschland
Gestorben: 26.11.2002 in Bühl, Deutschland

Er war einer der großen Charakterdarsteller des deutschen Nachkriegsfilms, oft verkörperte er deutsche Offiziere, so etwa den Hitler-Verschwörer Oberst Graf Stauffenberg in Falk Harnacks Geschichtsdrama "Der 20. Juli" (1955). Er spielte aber auch den Dr. Mabuse in Fritz Langs "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960): Wolfgang Preiss.

Preiss studierte Anfang der Dreißigerjahre in München Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Gleichzeitig nahm er schon zu dieser Zeit Schauspielunterricht. 1932, nach bestandener Prüfung, debütierte Preiss am Theater der Gegenwart in München. Er spielte in Heidelberg, Königsberg, Bonn und Bremen, 1941 schließlich wurde Preiss an die Berliner Volksbühne engagiert. Gleichzeitig diente er bei einer Flakbatterie. 1942 wurde er zur UFA "abkommandiert" und spielt neben Zarah Leander und Viktor Staal in Rolf Hansens "Die große Liebe" seine erste Filmrolle. Sein zweiter Film "Besatzung Dora" wurde 1943 verboten.

Nach dem Krieg spielte Preiss wieder Theater, doch erst in den Fünfzigerjahren wurde er erneut im Kino besetzt, so etwa in "Falschmünzer am Werk" (1951) und "Oberarzt Dr. Solm" (1954). Erst die Rolle des Oberst Holl in Alfred Weidenmanns Filmbiografie "Canaris" (1954) machte Wolfgang Preiss einem größeren Publikum bekannt und brachte ihm seine bekannte Stauffenberg-Rolle ein. Danach war das Eis gebrochen, Preiss wurde nun immer häufiger besetzt: Gottfried Reinhardt verpflichtete ihn an der Seite von Hans Albers in "Vor Sonnenuntergang" (1956), erneut unter Falk Harnack spielte er in dem Melodram "Anastasia - Die letzte Zarentochter" (1956), Harald Reindl besetzte Preiss in dem Heimatfilm "Johannisnacht" (1956), Paul Verhoeven in "... wie einst Lili Marleen" (1956) und Luis Trenker holte ihn für das Bergdrama "Von der Liebe besiegt" (1956) vor die Kamera.

Preiss drehte nun weiter jedes Jahr zahlreiche Filme, darunter immer wieder Kriegsfilme, in denen er den schneidigen deutschen Offizier verkörperte. So entstand 1957 der Kriegsfilm "Haie und kleine Fische" von Frank Wisbar, in dem Preiss als U-Boot Kommandant Lüttke einen jungen Kadetten alias Hansjörg Felmy befehligte. Ein großer Erfolg war im folgenden Jahr Peter Beauvais Literaturverfilmung "Der Schinderhannes" an der Seite von Curd Jürgens" und Hans Christian Blech sowie Framk Wisbars Kriegsfilm "Hunde, wollt ihr ewig leben?". 1959 ein weiteres Highlight: In Wolfgang Staudtes brillant inszenierter und gespielter Zeitkritik "Rosen für den Staatsanwalt" glänzt Preiss als Generalstaatsanwalt an der Seite von Martin Held. Und noch im gleichen Jahr sieht man Preiss einmal mehr unter der Regie von Frank Wisbar in dem Kriegsfilm "Nacht fiel über Gotenhafen!" zusammen mit Sonja Ziemann und Dietmar Schönherr.

1960 folgte dann der erste größere internationale Auftritt von Wolfgang Preiss, bevor Fritz Lang ihn als "Dr. Mabuse" besetzte: Unter der Regie von William Dieterle sah man Preiss in dem zweiteiligen Abenteuerfilm "Herrin der Welt". Hier waren Stars wie Lino Ventura und Micheline Presle waren seine Partner. Ebenfalls 1960 entstand der US-Spionagefilm "Verrat auf Befehl" mit William Holden. Und als 1961 der legendäre Kriegsfilm "Der längste Tag" abgedreht wurde, war Preiss auch dabei, natürlich als deutscher Offizier Major General Max Pemsel. 1961 die Fortsetzung der erfolgreichen Mabuse-Reihe: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" gehörten Gert Fröbe und Lex Barker zum Cast, und in dem Historienfilm "Der junge General" von Jean Dréville standen der legendäre Orson Welles und Regisseur Vittorio De Sica mit Preiss vor der Kamera. Danach immer wieder neue "Mabuse"-Filme: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse", "Das Testament des Dr. Mabuse" (beide 1962), "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" (1963) und "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" (1964).

Ein Wiedersehen mit Hansjörg Felmy gab es im gleichen Jahr in dem Edgar-Wallace-Streifen "Der Henker von London", einen SS-Major verkörperte Preiss in Otto Premingers Drama "Der Kardinal" an der Seite von Romy Schneider. Preiss war nun auch aus den internationalen Besetzungslisten nicht mehr weg zu denken: Burt Lancaster und Jeanne Moreau bekämpften ihn in dem John Frankenheimer-Klassiker "Der Zug", Jean Becker inszenierte mit ihm 1964 "Der Boss hat sich was ausgedacht" (mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg), zum Cast von Mark Robsons Actionfilm "Colonel von Ryans Express" (1965) gehörten Frank Sinatra und Trevor Howard, und mit Lino Ventura sah man ihn erneut in Jacques Derays Agentenfilm "Die Haut des Anderen" (1966).

Ein Jahr später spielte Wolfgang Preiss in Christian-Jaques Agentenfilm "Geheimnisse in goldenen Nylons", Edward Dmytryks Kriegsfilm "Anzio" ziegte Preiss neben Robert Mitchum und Peter Falk. Ende der 60er Jahre nahmen dann auch die TV-Auftritte zu: Den Anthony Wilcox spielter er in "Meinungsverschiedenheiten" (1968), die Rolle des George Conway übernahm Preiss in dem Krimi "Ein Mann namens Harry Brent" (ebenfalls 1968). Witzig: In der Poltsatire "Der Minister und die Ente" war der spätere Rockstar Marius Müller-Westernhagen sein jugendlicher Partner.

In den Siebzigerjahren verlagerte Preiss seine schauspielerischen Aktivitäten wie viele seiner Kollegen immer mehr in Richtung Fernsehen: "Cherchez la femme oder Die Geister am Mummelsee" (1973) markierte seinen ersten Auftritt in einer "Tatort-Episode", eine weitere folgten 1974 ("Tatort - Gefährliche Wanzen"). Ebenfalls für Fernsehen entstand bereits 1973 Ton Toelles Liebesfilm "Eine ungeliebte Frau". Großes Kino folgte erst wieder 1977: Richard Attenborough reihte Wolfgang Preiss in die illustre Starriege seines gefeierten Kriegsfilm "Die Brücke von Arnheim" ein. Und nur ein Jahr später ein weiterer Klassiker: Franklin J. Schaffner besetzte Preiss in seinem Thriller "The Boys from Brazil", im gleichen Jahr inszenierte Terence Young mit Preiss den Kriminalfilm "Blutspur", erneut mit internationaler Topbesetzung, darunter Audrey Hepburn und Ben Gazzara.

Der nächste große Kinoauftritt fiel ins Jahr 1985: Wolfgang Preiss glänzte in der Rolle des Pater Albertus in Gerald Thomas' Politkrimi "Die Narbe" mit Max von Sydow uns Renée Soutendijk. Danach sah man ihn noch einige Male in einer seiner TV-Paraderollen als Earl of Wereford in "Mrs. Harris und der geschmuggelte Henry" (1987), "Mrs. Harris fährt nach Moskau" (1987), "Mrs. Harris fährt nach Monte Carlo" (1988). Eine kleine Altersrolle spielt Preiss schließlich 1990 in Claude Chabrols "Dr. M".

Weitere Filme mit Wolfgang Preiss: "Der Cornet - Die Weise von Liebe und Tod" (1955), "Stresemann" (1957), "Ich war ihm hörig" (1957), "Heimweh, Stacheldraht und gute Kameraden", "Das Mädchen mit den Katzenaugen", "Die grünen Teufel von Monte Cassino", "Grabenplatz 17", "Wolgaschiffer" (alle 1958), "Arzt ohne Gewissen" (1959), "Geständnis einer Sechzehnjährigen" (1960), "Die schwarze Kobra" (1963), "Der Fluch der grünen Augen" (1964), "Frühstück mit dem Tod" (1964), "Colonel von Ryans Expreß", "Die hundert Ritter", "Der Spion, der in die Hölle ging", "Der Fall Kapitän Behrens", "Brennt Paris?" (alle 1965), "Mister Dynamit - morgen küsst Euch der Tod", "Der Diamantenprinz" (alle 1967), "Hannibal Brooks" (1968), "Die zum Teufel gehen" (1969), "Im Morgengrauen brach die Hölle los", "Top Secret" (beide 1971), "Die Kriegsbraut" (TV, 1974), "Die Insel der Krebse" (TV, 1975), "Wallenstein" (1978), "Die zwei Gesichter einer Frau" (1981), "Mrs. Harris - Ein Kleid von Dior" (TV, 1982), "Der Feuersturm" (TV, 1983), "Mrs. Harris - Freund mit Rolls Royce" (TV, 1984), "Vergesst Mozart" (1985), "Tatort - Moltke", "Feuersturm und Asche" (beide 1988).

Zur Filmografie von Wolfgang Preiss
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