Ist Ihr Kind nur ständig erkältet oder hat es vielleicht eine Allergie? Wir zeigen, wie Eltern den Unterschied erkennen, und verraten Ihnen, was hilft.

Husten- und Niesattacken, laufende Nase, rote Augen – das klingt nach einer Erkältung. Bei Kindern kommt so ein grippaler Infekt durchaus mehrmals im Jahr vor. Eltern bemerken deshalb oft nicht, dass ihr Nachwuchs eigentlich unter einer Pollenallergie leidet. "Misstrauisch werden sollten sie, wenn Symptome länger als eine Woche anhalten, in jedem Frühjahr oder Frühsommer auftreten und es schon Allergiker in der Familie gibt", sagt Professor Dr. Matthias Kopp, Leiter der Sektion Pädiatrische Pneumologie und Allergologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Symptome bei Heuschnupfen sind juckende Nase und juckende Augen beziehungsweise tränende Augen sowie laufende oder verstopfte Nase. "Der Fließschnupfen ist aber klar – im Gegensatz zum gelblichen beim grippalen Infekt", sagt der Präsident der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie.

Skeptisch werden sollten Eltern bei nächtlichem Husten, sagt der 52-Jährige. Das könnte auf allergisches Asthma hindeuten. "Weitere Hinweise können sein, dass Kinder und Jugendliche bei körperlicher Anstrengung zunehmend Pausen machen oder bei einer normalen Erkältung einen Husten behalten."

Der Kinderarzt als Ratgeber

Nach Studien des Robert-Koch-Instituts reagieren von den in Deutschland getesteten Kindern und Jugendlichen 40 Prozent auf mindestens ein Allergen. 20.000 dieser Auslöser gibt es nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabunds. Ob Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben der Grund sind: Von Heuschnupfen und anderen Allergien auf eingeatmete Stoffe aller Art sind zwischen zehn und zwölf Prozent der untersuchten Mädchen und Jungen betroffen. Die Asthmahäufigkeit liegt bei fünf Prozent. "Wobei eine Reaktion auf ein Allergen noch nicht heißt, dass jemand auch erkrankt ist oder Beschwerden hat", sagt Kopp.

Entsteht bei Eltern der Verdacht, dass mehr hinter wiederkehrenden Symptomen steckt, sollte der erste Weg zum Kinderarzt führen. "Wenn der zum Besuch von Pneumologen oder Allergologen rät, sollten das immer auf Kinder spezialisierte Mediziner sein. Sie haben einen anderen Blick für ihre typischen Krankheitsverläufe."

Stofftiere regelmäßig waschen

Sind die Beschwerden stark, rät Kopp, die Auslöser zu meiden. "Wenn das möglich ist, wie etwa bei Hausstaubmilben. Da wäre das Wichtigste ein milbendichter Matratzenbezug." Außerdem sollten Bettbezüge, Kissen und Decken häufiger gewaschen werden. Kuschelkissen und Stofftiere kommen entweder auch in die Maschine oder für 48 Stunden in den Tiefkühler.

"Linderung beispielsweise bei Reaktionen auf Gräser- oder Birkenpollen bringen Antiallergietabletten oder -säfte", sagt der Spezialist, "die sind teilweise kortisonhaltig, aber das ist oft die einzige Möglichkeit." Im Fall von Asthma würden häufig kortisonhaltige und bronchienerweiternde Sprays miteinander kombiniert.

Um statt Symptomen die Ursachen zu bekämpfen, gebe es bei beiden Krankheiten nur eine Möglichkeit: "Eine Hyposensibilisierung, bei der nach und nach erhöhte Dosen des Allergens verabreicht werden, damit das Immunsystem lernt, nicht darauf zu reagieren." Drei Jahre dauert die Immuntherapie in Form von Spritzen oder Tabletten.