08.07.2024 Arzt-Kolumne

Passivrauchen: gefährlich vor allem für Kinder

Von Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, Hörfunk und als Buchautor. Fotoquelle: WDR / Herby Sachs

„Mein Mann zeigt sich da leider völlig uneinsichtig und raucht auch im Beisein unserer beiden Kinder. Muss ich mir Gedanken um ihre Gesundheit machen?“, fragte mich kürzlich die Mutter zweier Kleinkinder im Alter von zwei und fünf Jahren, die ihren 35-jährigen Ehemann, einen starken Raucher, zu seinem Arzttermin in meine Sprechstunde begleitete. „Leider muss ich Ihre Frage mit einem ganz klaren ja beantworten“, erwiderte ich der Frau.

Bei der klassischen Zigarette entsteht ein Hauptstromrauch durch das Inhalieren des Rauchers und ein Nebenstromrauch bei der Ausatmung und beim Glimmen der Zigarette. Dieser Nebenstromrauch enthält mehr als 4000 Substanzen, von denen mehr als 80 krebserregend sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Tabakrauch und dessen Bestandteile sehr lange in der Luft verbleiben und sich an Wänden, Decken, Gegenständen und Kleidung ablagern. Selbst in Räumen, in denen jahrelang nicht geraucht wurde, lassen sich noch gesundheitsgefährdende Stoffe nachweisen.

Passivrauchen schädigt Ungeborene sogar bereits im Mutterleib. Sie sind oft in der Entwicklung verzögert und haben bei der Geburt verengte Atemwege. Es mehren sich die Hinweise, dass Kinder unter fünf Jahren, die Passivrauchen ausgesetzt sind, häufiger an Leukämie erkranken. Und: Kinder rauchender Eltern haben ein doppelt so hohes Risiko, an einer schweren Lungenentzündung zu erkranken und leiden öfter an Mittelohrentzündungen. Zudem steigt das Risiko für ein chronisches Asthma bronchiale, oder eine chronische Bronchitis zu entwickeln.

Mein Appell richtet sich an alle Raucher, in diesem Fall sprach ich den Vater der beiden Kleinkinder direkt an: „Tun Sie sich und Ihren Kindern den Gefallen und rauchen Sie nicht in deren Nähe und schon gar nicht in geschlossenen Räumen oder im Auto!“ Das Beste ist es, ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Wer das allein nicht schafft, kann es mit ärztlicher Begleitung und beispielsweise einem Raucher-Entwöhnungskurs versuchen.

Und bitte daran denken: Auch bei Tabakerhitzern, Vapes oder E-Zigaretten entsteht ein Rauch, der nicht in die Lungen von Kindern gehört.

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