17.06.2024 Arzt-Kolumne

Reiseimpfungen: Was gibt es Neues?

Von Annette Schneider
Prof. Dr. med. Tomas Jelinek ist Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, Medizinischer Leiter BCRT - Berliner Zentrum für Reise- und Tropenmedizin und Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin e.V. (DFR)
Prof. Dr. med. Tomas Jelinek ist Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, Medizinischer Leiter BCRT - Berliner Zentrum für Reise- und Tropenmedizin und Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin e.V. (DFR) Fotoquelle: Jens Klatt

Fernreisen stehen bei den Deutschen nach wie vor hoch im Kurs. Zu den wichtigsten Vorbereitungen gehört es, sich über notwendige Impfungen, lokale Krankheitsausbrüche oder die allgemeine Seuchenlage eines fernen Reiseziels frühzeitig vor Antritt der Reise zu erkundigen.

Auf die aktuelle Weltseuchenlage schaut regelmäßig der Experte und Reisemediziner Professor Tomas Jelinek. „Je nach Zielort und persönlicher Gesundheitsgeschichte können Impfungen gegen Krankheiten wie Gelbfieber, Hepatitis A und B, Typhus, Meningitis, Tollwut und auch Cholera erforderlich sein. Besonders seit dem letzten Jahr haben auch die Fallzahlen an Dengue-Fieber Erkrankter in zahlreichen afrikanischen Ländern deutlich zugenommen. Es ist daher dringend zu empfehlen, sich frühzeitig mit einem Reisemediziner oder einer Reiseklinik in Verbindung zu setzen, um den Impfplan zu besprechen und sicherzustellen, dass alle erforderlichen Impfungen rechtzeitig vor der Abreise abgeschlossen sind“, rät Jelinek.

Bei Reiseimpfungen kann unterschieden werden zwischen Pflichtimpfungen, die zur Einreise in einzelne Länder vorgeschrieben sind, Standardimpfungen, die generell allen Reisenden empfohlen werden, und Indikationsimpfungen, die in besonderen Situationen angezeigt sind. Das DengueFieber gehört weiterhin zu den weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Allein in Brasilien wurden im vergangenen Jahr mehr als 2,5 Millionen Fälle von Dengue gemeldet, Anfang 2024 ist die Zahl der Fälle dort erneut angestiegen. Ende 2022 wurde ein lange erwarteter Impfstoff gegen Dengue zugelassen, der seit mehr als einem Jahr in Deutschland verfügbar ist. „Diese Impfung hat einen hohen Stellenwert in der reisemedizinischen Praxis“, sagt Jelinek.

Lateinamerika, die Karibik und die Südstaaten der USA sind vom Zika-Virus betroffen. Auch in Asien und Afrika breitet sich Zika schnell aus: Hier sind ebenfalls zahlreiche wichtige Reiseziele zum Endemiegebiet geworden. Gegen das ChikungunyaFieber ist der erste Impfstoff in den USA zugelassen worden und soll Anfang 2025 auch in Europa verfügbar werden. Tollwut ist eine insgesamt eher seltene, aber stets tödliche Infektion. Mit Ausnahme von Neuseeland und der Antarktis werden Tollwut-Viren weltweit von Säugetieren übertragen. Insbesondere im südlichen Afrika gibt es seit wenigen Jahren eine besorgniserregende Zunahme der Tollwutfälle.

Die Malariazahlen sind in den letzten Jahren angestiegen. Seit 2020 hat die WHO mehrfach Warnungen zur deutlichen Zunahme der Malaria in Endemiegebieten ausgesprochen. So ist zum Beispiel die Insel Sansibar, auf der die Malaria zeitweise ausgerottet war, wieder zu einem Hochrisikogebiet geworden. In Ostafrika ist eine neue Überträgermücke aus Südasien eingewandert, die Malaria auch in Städten übertragen kann. Mittlerweile ist die Mücke in Westafrika aufgetaucht. Eine gute Vorsorge zum Malariaschutz wird bei Reisen in Risikogebiete wieder wichtiger.

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