19.10.2021 Arzt-Kolumne

Asthma: Antikörper-Therapie auf dem Vormarsch

Von Christian Taube
Prof. Dr. med. Christian Taube ist Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik.
Prof. Dr. med. Christian Taube ist Direktor der Klinik für Pneumologie an der Universitätsmedizin Essen – Ruhrlandklinik. Fotoquelle: Universitätsmedizin Essen

"Gibt es noch ein anderes Medikament, das mir helfen könnte?" fragte mich vor einigen Tagen ein Patient, der seit Jahren mit schwerem Asthma kämpft und trotz Cortison-Therapie über starke Beschwerden klagt.

Patienten mit einer schweren Form der Erkrankung können von der Gabe von Antikörpern profitieren. Rund sieben Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter Asthma, etwa ein Zehntel von ihnen so schwer, dass sie hochdosierte Cortison-Tabletten einnehmen und mit Cortison inhalieren. Asthma in der Familie, eine bestehende Allergie und eine chronische Rhinitis, also eine Entzündung der Nasenschleimhaut, sind Risikofaktoren. Bis heute ist Cortison unverzichtbar in der Asthmatherapie, kann jedoch bei langjähriger Einnahme in Tablettenform zu schweren Nebenwirkungen führen. Dazu zählen Bluthochdruck, extreme Gewichtszunahme, Diabetes und Osteoporose.

Die Antikörper-Therapie kommt für Patienten mit schwerem Asthma infolge einer ganzjährigen Allergie, zum Beispiel gegen Hausstaub oder Schimmelpilz, in Frage. Auch bei eosinophilem Asthma, für das eine bestimmte Entzündungsreaktion typisch ist, kommt sie zum Einsatz. Die Antikörper werden etwa alle zwei bis acht Wochen per Injektion verabreicht. Sie unterbinden im Immunsystem die Entzündungsreaktion oder neutralisieren die Allergie auslösenden Substanzen. Nur sehr selten kommt es innerhalb der ersten Gaben und dann in den ersten beiden Stunden als Nebenwirkung zu allergischen Reaktionen. Dennoch sollte die Therapie von einem Lungenfacharzt durchgeführt werden.

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In vielen Fällen lässt sich dank einer Antikörper-Therapie die Gabe von Cortison-Tabletten stark reduzieren oder sogar komplett vermeiden. Die Beschwerden nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Vielen Patienten kann sogar wieder ein normales Leben ermöglicht werden. So auch bei unserem Patienten. Nach vier Monaten werden wir die Wirksamkeit der Therapie erstmals prüfen. Sollte es ihm weiterhin gut gehen, steht einer weiteren Behandlung mit Antikörpern auch über Jahre hinweg nichts im Wege.

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