29.09.2020 Arzt-Kolumne

COVID-19: Geschmack- und Riechstörungen sind Anzeichen

Von Heinz-Wilhelm "Doc" Esser
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als "Doc Esser" in TV und Hörfunk sowie als Buchautor.
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als "Doc Esser" in TV und Hörfunk sowie als Buchautor. Fotoquelle: WDR/Herby Sachs

"Ich schmecke seit Tagen nichts mehr, und mein Riechsinn ist ebenfalls eingeschränkt. Und seit gestern habe ich immer hohes Fieber und Husten." Mit diesen Worten stellte sich kürzlich ein 34-jähriger Patient bei mir vor. Ich verlegte ihn umgehend auf die Isolierstation - mit dringendem Verdacht auf eine akute Corona-Infektion.

Das aktuelle Virus siedelt sich vor allem im Mund-Rachenraum und im Nasenvorhof an. Es kann dann milde Symptome wie Husten, Fieber oder auch Halsschmerzen verursachen. Manchmal kommt es wie bei meinem Patienten zu Geschmack- und Riechstörungen. Bei älteren oder vorerkrankten Menschen kann es jedoch auch zu einer Besiedlung der Lunge mit nachfolgender Lungenentzündung kommen, die dann eine intensivmedizinische Behandlung nach sich ziehen kann. Aber nicht nur die Lunge ist betroffen: Das Virus kann zu Gefäßentzündungen führen und die Blutgerinnung verändern. Manchmal kommt es zu Veränderungen an der Haut, hier sind vor allem die Füße betroffen.

Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Der bereits Infizierte niest oder hustet Ihnen eine Ladung Viren in Ihr Gesicht, und je nach Viruslast (Anzahl der Viren) kann es zu einer Besiedlung Ihrer Schleimhäute kommen und damit zu einer Infektion. Auch unsere Ausatemluft (Aerosole) kann Viren in kleinsten Partikeln mit sich tragen, sodass vor allem in geschlossenen Räumen ohne gute Belüftung eine Ansteckung über eine Aerosolwolke möglich ist. Deshalb ist es wichtig, die bekannten Hygieneregeln einzuhalten.

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Auch wenn wie bei meinem Patienten die Erkrankung in den meisten Fällen sehr milde verläuft, scheinen eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Genesenen an Langzeitfolgen wie chronische Lungenveränderungen, dauerhaftem Geschmacksverlust oder Gefäßentzündungen zu leiden.

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