13.10.2020 Arzt-Kolumne

So erkennt man Cluster-Kopfschmerzen

Von Dagny Holle-Lee
Prof. Dagny Holle-Lee ist Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und
Schwindelzentrums Essen sowie Oberärztin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.
Prof. Dagny Holle-Lee ist Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums Essen sowie Oberärztin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Fotoquelle: Universitätsmedizin Essen

"Ist das wirklich ein Cluster-Kopfschmerz und keine Migräne?" Das fragte mich vor wenigen Wochen eine 39-jährige Patientin in unserer Kopfschmerzambulanz. Charakteristisch für den Cluster-Kopfschmerz ist die Länge der Schmerzattacken. Er tritt jeweils in Zeitfenstern von 15 Minuten bis drei Stunden pro Tag auf, oft nachts und mehrfach. Eine Migräne dagegen dauert unbehandelt mindestens vier Stunden.

Typisch für den Cluster-Kopfschmerz ist ein streng einseitiger Schmerz. Manche beschreiben ihn als stechend, andere als brennend oder bohrend. Immer ist er extrem quälend, tritt plötzlich und häufig zur immer selben Uhrzeit auf. Oft tränt während der Schmerzattacken ein Auge, das Augenlid hängt, die Nase läuft oder ist verstopft.

Geschätzt sind etwa 120.000 Menschen hierzulande betroffen, etwa zweimal so viele Männer wie Frauen. Die Dunkelziffer ist hoch. Der Name leitet sich vom englischen "Cluster" für "Anhäufung" ab, weil er meist in Perioden – oft im Frühjahr und Herbst – auftritt, dann aber auch für Monate oder Jahre verschwinden kann. Selten kann der Cluster-Kopfschmerz auch chronisch ohne diese Pausen verlaufen. Die erste Episode tritt oft mit rund 40 Jahren auf.

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Die Ursache von Cluster-Kopfschmerzen ist noch unbekannt. Wahrscheinlich spielt eine Funktionsstörung des Hypothalamus eine wichtige Rolle. Auch eine Fehlfunktion der Botenstoffe im Gehirn und Vererbung scheinen beteiligt zu sein. Der Lebensstil hat eher geringeren Einfluss. Steht die Diagnose fest, kann ein Hausarzt oder Neurologe den Cluster-Kopfschmerz meist so behandeln, dass die Attacken erträglicher werden und die Schmerzen schneller abklingen. Ganz heilbar ist die Erkrankung nicht.

Auch unserer Patientin ging es nach wenigen Tagen besser. Im Akutfall hilft eine Spritze oder ein Nasenspray mit Triptanen sowie die Inhalation von 100-prozentigem Sauerstoff. Klassische Schmerztabletten wirken zu langsam. Betroffenen ist der Besuch eines Kopfschmerzspezialisten zu empfehlen. An unserer Klinik gibt es für den Notfall eine Videosprechstunde.

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