Sauerkraut ohne Wacholderbeeren ist kein Sauerkraut. Behaupten manche Hausfrauen. Tatsächlich geben die dunkelblauen kugeligen Früchte dem herzhaft eingelegten Weißkohl eine würzige Note. Wacholder, ein Küchengewürz? Das auch.

Vor allem aber gilt Wacholder als bewährtes Naturheilmittel. Womit nicht der beim Frühschoppen geschätzte Doppelwacholder gemeint ist. Der bringt es auf gut 42 Prozent Alkohol und erzielt auf diese Weise ebenfalls Wirkung, wenn auch nicht unbedingt heiltherapeutische.

Für unsere Groß- und Urgroßmütter waren Wacholderbeeren das ideale Mittel gegen Blähungen und andere Magenmaleschen. Wobei die Beeren im Grunde gar keine Beeren sind, sondern fleischig gewordene Fruchtblätter. Daraus ließ sich allerhand zubereiten, ein Gläschen Gin zum Beispiel, auf Deutsch: Wacholderbeerschnaps.

Irgendwie landet man bei Wacholder immer auch bei Schnaps.

Die Antwort der modernen Naturheilkunde auf Wacholders Alkoholproblem sind arzneiliche Zubereitungen aus Wacholderbeeren, als da sind: Kapseln, Dragees oder Pflanzensaft. Der Saft wird aus frischen Beeren gepresst und soll nicht nur die Verdauung anregen. Er hat auch wassertreibende Wirkung. Ein Römer aus dem ruhmreichen Geschlecht der Catos (aber keiner der beiden Feldherren) gewann um 100 v. Chr. aus Wacholder einen harntreibenden Wein.

Die heute erhältlichen Präparate entbehren des Rausches. Sie verlassen sich auf unverdächtige Inhaltsstoffe wie ätherische Öle und Flavo noide.

Menschen, die unter Anschwellung der Unterschenkel (Ödeme) leiden, kann eine Kur mit Wacholder-Präparaten bei der Ausscheidung von Wasser helfen. Auch bei Gicht und Arthrose wirken die Beeren lindernd. Ihre Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel und führen zur vermehrten Ausscheidung von sogenannten "harnpflichtigen" Stoffen.

Auch bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege hilft eine Durchspülungstherapie mit Wacholder, wobei viel Flüssigkeit in Form von Mineralwasser, Fruchtsäften und Kräutertees unterstützend getrunken werden sollte.

Es mag weniger bekannt sein, aber auch äußerlich entfalten Wacholder-Produkte ihre Wirkung. Medizinische Badezusätze mit Wacholderöl helfen bei Muskelverspannungen. Solche Arzneibäder enthalten neben Wacholderöl auch Wintergrünöl, Campher und andere ätherische Öle. Die Kombination macht's, dass die Durchblutung gefördert und die Muskeln gelockert werden.

Der lateinische Name für den gemeinen Wacholder lautet "Juniperus communis". Er ist besonders dort anzutreffen, wo die Heide allmählich ins Moor übergeht; für die Lüneburger Heide ist der Wacholderbaum eine prägende Pflanze.

Neben dem gemeinen Wacholder ist auch noch der Sadebaum als zweite Wacholderart in Deutschland heimisch. Der Sadebaum wurde in früherer Zeit, als er noch verstärkt zu medizinischen Zwecken herangezogen wurde, auch als Stink- oder Gift-Wacholder bezeichnet.

Im Althochdeutschen wurde Wacholder "Wechalter" genannt, was unberechtigterweise oft mit "Wachhalter" übersetzt wurde. Die Bedeutung von "Wechalter" bleibt umstritten.

Eine andere und offenbar als poetisch empfundene Bezeichnung für Wacholder lautet "Machandel". Das Wort kommt hier und da in Gedichten vor und findet auch in Grimms Märchen Erwähnung.

Der Wacholderschinken, und damit sind wir wieder beim Essen angelangt, verdankt seine würzige Note einzig dem Strauch – der gekochte Schinken wird dabei über Wacholderholz geräuchert.

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