Diabetes ist eine Volkskrankheit. In Deutschland sind mehr als 6,5 Millionen Menschen betroffen. Viele denken sofort an Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Dass die "Zuckerkrankheit" wortwörtlich auch ins Auge gehen kann, ist dagegen nicht so bekannt.

Was Kalk in Wasserleitungen ist, ist zu viel Zucker in unseren Blutgefäßen: Auf Dauer führt er zu Ablagerungen und Schäden an den Gefäßwänden. Folge: Die Durchblutung wird schlechter und damit die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff. Auch die feinen Gefäße der Netzhaut kann es treffen. Schlechtes Sehen oder gar eine Erblindung drohen.

Beim diabetischen Makulaödem (DMÖ) wird das Sehen durch Gefäßveränderungen und Flüssigkeitsansammlungen an der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, stark eingeschränkt. Das kann alle Menschen mit Diabetes treffen. Doch nur die Hälfte der von Diabetes Betroffenen (56 Prozent) weiß laut Umfragen davon. Auch deshalb hat sich die Initiative "Das Diabetische Auge" die Aufklärung zum Thema Diabetes und Sehen auf die Fahnen geschrieben.

Bemerkbar macht sich die DMÖ durch eine verzerrte und unscharfe Sicht: Konturen verschwinden, Farben verblassen, Kontraste werden geringer. Auch Flecken können im Sichtfeld auftauchen. Im Krankheitsverlauf verschlechtert sich das Sehvermögen. Vollständig heilen lässt sich das DMÖ zwar nicht, frühzeitig erkannt, ist es aber gut zu behandeln und zu kontrollieren. Menschen mit Diabetes empfehle ich daher dringend, sich mit der Erkrankung zu beschäftigen, mit ihrem Diabetologen immer über ihre Augen zu sprechen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt wahrzunehmen.

Kleiner Eingriff hilft

Die Seheinschränkung lässt sich nicht einfach mit einer Brille ausgleichen. Am häufigsten wird das DMÖ mit einer kleinen Spritze ins Auge behandelt – ein Routineeingriff beim Augenarzt. Es hemmt dort bestimmte Botenstoffe, die im Wesentlichen für die Probleme des Diabetes im Auge verantwortlich sind, und sorgt so für einen Erhalt der Sehkraft. Die Wirkung hält nur eine gewisse Zeit an, deshalb müssen die Injektionen regelmäßig wiederholt werden. Bei vielen Betroffenen lässt sich sogar eine Verbesserung des Sehvermögens erzielen.