15.03.2021 Arzt-Kolumne

Krebspatienten sollten auf ihren Blutzucker achten

Von Susanne Reger-Tan
PD Dr. med. Susanne Reger-Tan ist Oberärztin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen.
PD Dr. med. Susanne Reger-Tan ist Oberärztin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Fotoquelle: Universitätsmedizin Essen

"Habe ich jetzt auch noch Diabetes?", fragte mich vor ein paar Wochen ein 68-jähriger Patient mit schwarzem Hautkrebs. Mit erhöhtem Blutzucker und Anzeichen einer Ketoazidose, eine gefährliche Stoffwechselentgleisung, wurde er an mich verwiesen. Diabetes ist keine Seltenheit bei Tumor-Patienten. In diesem Fall kam es sogar zu einer neuen Form des Insulinmangel-Diabetes.

Typ-2-Diabetes ist weit verbreitet und birgt auch ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen. Die in der Tumortherapie eingesetzten Medikamente wirken sich oft ungünstig auf den Glukosestoffwechsel aus. Glukose aus der Nahrung kann nicht mehr ausreichend vom Blut in die Zelle gelangen. Der Blutzucker ist dauerhaft erhöht.

Folgen eines unzureichend behandelten Diabetes sind Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche und starker Durst. Zudem ist man anfälliger für Infekte. Allesamt auch mögliche Nebenwirkungen einer Krebstherapie. Krebspatienten fällt es daher oft schwer, die Ursache ihrer Beschwerden selbst zu erkennen. Deshalb sollten sie regelmäßig ihre Blutzuckerwerte prüfen lassen. Mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität lassen sich Glukosehaushalt und Verlauf der Tumorerkrankung positiv beeinflussen. Zudem rate ich dringend – abweichend von der üblichen Empfehlung für Typ-2-Diabetes – eine Gewichtsabnahme zu vermeiden und die Kohlenhydratzufuhr nicht streng einzuschränken.

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Bei einer Tumortherapie mit Checkpoint-Inhibitoren kann es selten zu einer neuen Form des Typ-1-Diabetes kommen. Diese Wirkstoffe aktivieren das eigene Immunsystem gegen den Tumor und bekämpfen die Krebszellen so sehr effektiv. Die Kehrseite: Das Immunsystem richtet sich teilweise auch gegen gesunde Zellen, wie die der Bauchspeicheldrüse. Der Körper produziert dann kein Insulin mehr. Der Mangel tritt sehr akut und mit schweren Erhöhungen des Blutzuckers auf. Es muss umgehend Insulin zugeführt werden. Wir arbeiten eng mit den Dermatologen und Onkologen zusammen und konnten unserem Patienten rasch helfen – ohne den Erfolg seiner Krebstherapie zu riskieren.

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