09.11.2021 Arzt-Kolumne

Diabetes: Warum der große Zeh weh tut

Von Thomas Schneider
Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Spezialisiert ist er auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen einschließlich Endoprothetik. Arthroskopische Operationen der Gelenke von Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen sind weitere Behandlungsschwerpunkte.
Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Spezialisiert ist er auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen einschließlich Endoprothetik. Arthroskopische Operationen der Gelenke von Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen sind weitere Behandlungsschwerpunkte. Fotoquelle: Gelenk-Klinik Gundelfingen

"Seit Wochen leide ich unter einem schmerzhaften Gelenk in meinem Großzeh", erklärte mir vor einigen Wochen ein 55-jähriger Patienten in meiner Sprechstunde. Nach kernspintomografischen Untersuchungen (MRT) und Röntgenbild war klar: Die Beschwerden des Vertriebsmitarbeiters wurden durch seinen Diabetes verursacht.

Diabetes hat mehr gesundheitliche Auswirkungen als viele denken: Neben den bekannten klassischen Beschwerden wie Herz-, Kreislauf- oder Nierenerkrankungen werden auch die Füße oftmals in Mitleidenschaft gezogen. Außer Schäden an ihren Gefäßen und Nerven, dem diabetischen Fußsyndrom, kommt es oftmals zu weiteren "Fußkomplikationen" wie einer Arthrose im Großzehengrundgelenk. Der medizinische Begriff dafür lautet Hallux rigidus.

Der Diabetes mellitus führt in erster Linie über Gewebeveränderungen sowie Nervenstörungen zu Schäden im Großzehengrundgelenk. Diese Nervenstörungen mindern die Wahrnehmung im Fuß und verursachen dadurch eine Fehlbelastung. Ist der Knorpelverlust wie bei meinem 55-jährigen Patienten bereits etwas weiter fortgeschritten, so kommt es zu Belastungsschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Als hilfreich erwies sich für ihn das übliche Behandlungsrepertoire aus Schmerzmedikamenten, Injektionen und Fußgymnastik sowie speziellen orthopädischen Einlagen. Diese reduzieren die Belastung und lassen die schmerzhafte Reizung wieder abheilen. Zudem empfahl ich dem Patienten viel Bewegung und eine gesunde Kost mit viel Omega-3-Fettsäuren sowie ausreichend Obst, Gemüse und Salaten. Diese beeinflussen nach neuen Erkenntnissen nicht nur die Gelenksituation positiv, sondern auch den Stoffwechsel.

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Eine gelenkerhaltende Behandlung wie eine Arthroskopie oder eine Umstellungsoperation blieben dem Patienten ebenso wie eine Gelenkversteifung (Arthrodese) erspart. Alternativ dazu gibt es seit einiger Zeit gelenkerhaltende, die Stellung korrigierende Eingriffe sowie druckentlastende und bewegungsverbessernde Operationen. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Gelenk nicht schon weitgehend zerstört ist. Die Kosten solcher Eingriffe werden von den Krankenkassen getragen. Ergänzende Membranverfahren werden allerdings von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen.

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