Vier von fünf Männern – und jede dritte Frau – sind von Haarausfall betroffen. Doch es gibt Mittel dagegen, weiß Dr. Andreas Finner von der Trichomed-Praxis für Haarmedizin und Haartransplantation.

Herr Dr. Finner, was sind die Gründe für Haarausfall?

Die Gründe können vielfältig sein, zum Beispiel neue Medikamente, Ernährungsumstellungen, Eisenmangel, fieberhafte Erkrankungen oder Kopfhaut entzündungen. Wenn die Menstruation unregelmäßig ist, die Pille gewechselt wurde oder eine übermäßige Körperbehaarung vorliegt, können auch Hormonstörungen die Ursache für die Haarprobleme sein.

Wie geht man beim diffusen und anlagebedingten Haarausfall vor?

Fallen die Haare gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt aus und lassen sie sich beim Zupftest leicht herausziehen, liegt ein diffuser Haar ausfall vor. Findet sich eine zugrunde liegende Störung wie Eisenmangel, muss diese korrigiert werden. Zusätzlich kann das Nachwachsen direkt angeregt werden, zum Beispiel mit Kapseln, die Medizinalhefe, Cystin und B-Vitamine enthalten. Kommt es zu einem allmählichen Dünner- und Kürzerwerden an Oberkopf und Seiten, liegt eine anlagebedingte Haarstammzellschwäche und Testosteronempfindlichkeit der Haarwurzeln vor. Hier gibt es ursächliche Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Alfatradiol. Die Tropfen sind gut verträglich und werden einmal täglich auf die betroffenen Bereiche aufgetragen. Eine kombinierte Therapie mit dem Wirkstoff Minoxidil ist sinnvoll.

Gibt es auch Hilfe bei kreisrundem Haarausfall?

Nur für einen Teil der Betroffenen. Bei dieser Erkrankung bilden sich plötzlich kahle Stellen. Hier findet ein Angriff der Immunzellen auf die Haarwurzeln statt, die Ursache dafür ist unklar. Oft wachsen die Haare wieder nach, zur Anregung dienen äußerliche Tropfen oder Unterspritzungen der Kopfhaut mit verdünntem Kortison. Jedoch sind hier noch weitere Forschungen notwendig, um allen Patienten helfen zu können.

Wenn zu viele Haare fehlen: Kann ich eine Haartransplantation machen lassen?

Die Eigenhaartransplantation ermöglicht das dauerhafte Auffüllen bereits kahler oder ausgedünnter Bereiche bei Männern und Frauen. Dazu werden heutzutage tausende Haarwurzeln vom Hinterkopf entnommen, mikroskopisch aufbereitet und einzeln in kleine Kanäle umgepflanzt. Dies führt zu natürlichen Ergebnissen, da die lebenden Haare an den Einpflanzstellen ganz normal weiterwachsen. Die Prozedur dauert einige Stunden unter örtlicher Betäubung und kann auch mehrfach im Leben erfolgen. Wichtig ist die persönliche Planung und fachgerechte Durchführung von spezialisierten Haarchirurgen. Ist nicht genügend eigenes Spenderhaar am Hinterkopf vorhanden, können moderne Zweithaarlösungen oder puderartige Haarfasern das Haarbild wiederherstellen.

Tobias Schenk führte das Interview.