Ein Blick in eine beliebige Frauenzeitschrift und wir wissen Bescheid: "Sei perfekt" schallt uns auf jeder Seite entgegen. Und bald glauben wir es selbst und sitzen in der Falle: Der Perfektionsstress macht uns fertig und unglücklich.
Dabei hat Perfektionismus, wie übrigens jede unserer stresserzeugenden Angewohnheiten, auch gute und nützliche Seiten: Er soll uns vor Fehlern und Kritik schützen und hilft tatsächlich, Bestleistungen zu erbringen. In vielen Bereichen,
vor allem im Berufsleben, ist er notwendig.
Doch immer und überall? Wir haben zu oft die Illusion, wir bräuchten den Perfektionismus, um glücklich zu sein. Die Erwartungen lauten beispielsweise: Ich bin nur dann zufrieden, wenn ich alles perfekt erledigt habe. Ich schaffe alles! Ich
bin anderen überlegen. Ich zeige, dass ich mich im Griff habe. Ich bin ein Vorbild!
Diese guten Gefühle stellen sich nur ein, wenn man den Perfektionismus gut dosiert. Überlegen Sie deshalb bitte ganz genau: Bei welcher Tätigkeit bringt der Perfektionismus genau das, was Sie erwarten? Und wo ernten Sie statt Zufriedenheit Hetze, Frust und Erschöpfung?
 
Fragen Sie sich bei diesen Aufgaben: Was passiert schlimmstenfalls, wenn ich jetzt aufhöre, perfekt sein zu wollen? Etwa die Fenster absolut streifenfrei zu putzen in den nächsten zehn Minuten, nachdem ich mich über die Streifen auf den frisch geputzten Fenstern ärgerte? Was ist in den nächsten zehn Stunden oder zehn Tagen?
Werde ich mich bei gutem Wetter am Wochenende, wenn ich tagsüber daheim bin, vielleicht auch noch mal ärgern? In den nächsten zehn Wochen? Was passiert in zehn Monaten? Jahren?
Das ist völlig unerheblich! Meistens werden Sie zehn Minuten lang schlechte Laune haben und in den nächsten zehn Stunden vielleicht improvisieren müssen. Dann ist die Sache meistens vergessen. Nur da, wo langfristig ernstzunehmende Gefahren drohen, seien Sie getrost weiter perfektionistisch. Hier lohnt es sich.